Nikotin-Alarm

Brauchen Reinbeker so viele Zigaretten-Automaten?

Foto: Anne Müller / Müller

Reinbek. Forum 21 beobachtet eine auffällige Häufung von Zigarettenautomaten in Reinbek. Die Wählergemeinschaft sieht das Straßenbild verunziert und regt im Rathaus eine Prüfung der Automaten an. Solange diese jedoch auf Privatflächen aufgestellt werden, kann die Verwaltung nichts gegen die Kästen unternehmen.

Seit Rauchen in Restaurants oder öffentlichen Gebäuden verboten ist, sind die blauen Rauchschwaden auf dem Rückzug. Der Wandel beim Nikotin-Genuss ist für die Tabakindustrie deutlich spürbar. Wurden vor zehn Jahren noch 145 Milliarden Zigaretten verkauft, waren es im vergangenen Jahr noch knapp 88 Milliarden. Die Anzahl der aufgestellten Automaten ging bundesweit um mehr als die Hälfte von 800.000 auf 360.000 zurück, erläutert Carsten Zenner, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Tabakwarengroßhändler und Automatenaufsteller.

Dieser Trend ist nach einer Beobachtung der Wählergemeinschaft „Forum 21“ in Reinbek nicht spürbar. „Hier werden jede Menge Zigaretten-Automaten im öffentlichen Verkehrsraum aufgestellt und das Straßenbild mit klobigen Automaten-Kästen verunziert“, kritisiert Fraktionschef Heinrich Dierking. Offensichtlich gelte für die Wohngebiete in Neuschönningstedt die Faustregel, ein Zigaretten-Automat pro 300 Anwohner, ärgert er sich und fragte im Rathaus provozierend nach: „Werden Nikotin-Automaten aufgestellt, um das Stadtsäckel zu füllen?“

Diese Frage kann Bürgermeister Axel Bärendorf mit einem klaren Nein beantworten: „Seit 2004 wurden keine Automaten mehr auf öffentlichen Flächen genehmigt.“ Die Stadt könne auf die Aufstellung auf Privatflächen keinen Einfluss nehmen, da es dafür keine Genehmigungspflicht gebe.

Auch Burkhard Armborst, Sprecher der Firma Tobaccoland, einer der größten Automatenaufsteller bundesweit, bestätigt, dass öffentliche Flächen so gut wie nie unter den Standorten sind. Bevorzugt würden natürlich Orte mit einer starken Kundenfrequenz wie Bushaltestellen. Ein Schwerpunkt sei darüber hinaus die Gastronomie. „Uns bieten aber auch häufig Privatpersonen Flächen an.“

Zenner vom Bundesverband gibt für den Jugendschutz zu bedenken. „Es gibt keinen transparenteren Verkaufskanal für Zigaretten als den Automaten selbst.“ Seit 2009 sind alle Zigarettenautomaten technisch so ausgestattet, dass sie keine Zigaretten an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren abgeben. Käufer müssen ihr Alter verifizieren.

Für die technische Nachrüstung habe die Branche 300 Millionen Euro investiert. Bankkarten mit einem goldenen Chip haben in der Regel bereits ein Altersmerkmal auf dem Bargeld-Chip. Neben der Bankkarte haben Käufer an vielen Tobaccoland-Automaten auch die Möglichkeit, sich mit ihrem Personalausweis oder dem neuen EU-Führerschein im Scheckkartenformat am Zigarettenautomaten auszuweisen. Insgesamt nimmt die Bedeutung der Automaten ab, da nur etwa zwölf Prozent der Zigaretten an Automaten verkauft werden.