Spezialbehandlung

"Böses" Cholesterin ist chancenlos

Reinbek. Mit dem Stichwort "Cholesterinwerte" hat schon so mancher Hausarzt seine Patienten aufgeschreckt. Sind sie zu hoch, stehen mehr Bewegung und gesunde Ernährung auf dem Programm.

Ansonsten steigt die Gefahr für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Arterienverkalkung. Es gibt jedoch Menschen, bei denen selbst der gesündeste Lebenswandel nicht zu einer Verbesserung der Cholesterinwerte führt. Sie leiden unter einer angeborenen Stoffwechselstörung. "Einer von 500 Menschen ist davon betroffen", sagt Dr. Markus Meier, Spezialist am Dialyse-Zentrum Reinbek. Mit einer Blutwäsche, Fachbegriff Apherese, wird in seiner Praxis das Blut vom bösen Cholesterin befreit - vereinfacht gesagt.

Diese erfolgreiche Therapie, die seit ungefähr zehn Jahren durchgeführt werden kann, nimmt auf einer Weide in Mecklenburg-Vorpommern ihren Anfang. "Dort leben Schafe, die gehütet werden, wie der Heilige Gral", sagt Dr. Meier. Die Tiere werden mit menschlichen Blutbestandteilen geimpft, gegen die sie Antikörper bilden. Anschließend wird ihnen Blut abgenommen, aus dem die Antikörper herausgefiltert und mit Zuckerpartikeln gebunden werden. Das Ergebnis: Kleine weiße Kügelchen, die in den medizinischen Glassäulen namens "LDL Therasorb" zum Einsatz kommen.

Durch dessen zwei Säulen läuft das Blut des Patienten, der bis zu dreieinhalb Stunden wie beim Blutspenden auf einer Liege liegt. Aus dem einen Arm wird das Blut entnommen, dann in den zwei Säulen gefiltert, am anderen Arm wieder zugeführt. Die (Antikörper-) Kügelchen, die in einer trüben, weißen Substanz der einen Säule schwimmen, erkennen die Struktur des "schlechten" Cholesterins und halten es fest, das "gute" fließt wieder in den Körper zurück. Zweimal werden die dreieinhalb bis fünf Liter Blut des Patienten auf diese Weise gereinigt.

"In einer Sitzung müssen wir mindestens 60 Prozent des Cholesterins entfernen. Die Krankenkassen wollen diese Erfolgsgarantie", sagt Dr. Meier.

Die wöchentliche Behandlung sei deshalb wichtig, um langfristig einen Normalwert bei den Cholesterinwerten erreichen zu können. Denn das schlechte Cholesterin lässt sich durch die Blutwäsche keinesfalls langfristig abschrecken. Direkt nach der Sitzung in der Reinbeker Dialysepraxis bildet es sich erneut. Obwohl Dr. Markus Meier dieses System bei einer handvoll Patienten jeweils einmal wöchentlich anwendet, findet auch er es immer noch faszinierend.

Viele Menschen wissen jedoch gar nicht, dass sie zur Risikogruppe gehören. Sterben junge Menschen an Herzinfarkt oder Schlaganfall, können sich die Angehörigen dies oft nicht erklären. Nicht selten stecke jedoch eben jene Stoffwechselerkrankung dahinter, die dazu führt, dass das übermäßig produzierte, schlechte Cholesterin sich an den Zellen ablagert. Das gute ist unbedenklich, hält den Energiestoffwechsel auf Trab.

Da die Bestimmung der Cholesterinwerte nicht genereller Bestandteil einer normalen hausärztlichen Blutuntersuchung ist, sei diese Krankheit den Betroffenen oft gar nicht bekannt, so Dr. Markus Meier. Wenn in einer Familie jedoch mehrere männliche Mitglieder vor dem 55. Lebensjahr einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten - bei Frauen liegt die Altersgrenze bei 65 Jahren -, sollten die anderen Familienmitglieder aufhorchen und gegebenenfalls bei ihrem Hausarzt um eine spezielle Untersuchung der Cholesterinwerte bitten.

Die Apherese-Behandlung kommt jedoch nur zum Einsatz, wenn über einen längeren Zeitraum von mehreren Monaten die klassische Therapie - gesunde Ernährung, Sport und cholesterinsenkende Medikamente - keinen Erfolg zeigt. Eine Sitzung kostet bis zu 1500 Euro. Generell gilt: Eine Lifestyle-Therapie für alle, die gern schlemmen und keine Lust haben, sich zu bewegen, sei die Apherese nicht, sagt der Reinbeker Arzt.