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Viele Betroffene halten Schwangerschaft geheim

Babyklappen sind nicht unumstritten. Gegner argumentieren, dass jedes Kind ein Recht darauf habe, zu wissen, wer seine Eltern sind. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder folgt dieser Argumentation und möchte eine gesetzliche Regelung, die den Müttern für eine gewisse Dauer Anonymität gewährt, dem betroffenen Kind aber ab einem gewissen Alter die Chance gibt, seine Identität festzustellen.

Laut der aktuellsten Studie des Deutschen Jugendinstituts zum Thema, die vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben worden war, haben im Untersuchungszeitraum Juli 2009 bis Oktober 2011 insgesamt 973 Mütter Kinder anonym geboren (652 Babys), anonym übergeben (43) oder in eine Babyklappe (278) gelegt. 126 der 278 Mütter, die ihr Kind in einer Babyklappe abgegeben hatten, meldeten sich anschließend wieder, 152 blieben anonym. Etwa 50 Prozent der Babyklappen-Kinder wurden im Anschluss direkt in eine Adoptivfamilie vermittelt.

Bei der Frage nach den Motiven der Mütter waren die Studienleiter zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Weder beim Alter noch beim Bildungsgrad, der wirtschaftlichen Situation oder der Schichtzugehörigkeit gab es allgemeingültige Aussagen. Die Gründe waren so unterschiedlich wie die Lebenssituation der Frauen. Was sich laut der Studie verallgemeinern lässt: Fast alle Frauen haben ihre Schwangerschaft verdrängt oder bewusst geheim gehalten. Weder sie noch das Baby hatten während der Schwangerschaft oder bei der Geburt medizinische Hilfe. Der Leidensdruck war immens, viele litten unter panikartigen Ängsten.