Notfallbetreuung

Firmenservice: Kinderbetreuung im Notfall binnen zwei Stunden

Foto: Susanne Holz / Holz

Reinbek. In Stormarn können sich Firmen jetzt besser gegen Ausfälle von Mitarbeitern durch Engpässe bei deren Kinderbetreuung schützen. Die bundesweit einzigartige Notfallbetreuung der Stiftung "Beruf und Familie Stormarn" springt ein, wenn kurzfristig die private Kinderbetreuung der Arbeitnehmer wegbricht.

Der Nachwuchs hat plötzlich Fieber und Bauchweh, die Kita ist geschlossen und Oma mit Freundinnen im Urlaub – selbst bei Szenarien wie diesem bleiben die Mitarbeiter der Reinbeker Firma Party Rent ab jetzt gelassen. Denn ihr Arbeitgeber ist einer von neun im Kreis Stormarn, der für Notfälle wie diesen gerüstet ist.

Sie haben die Stiftung „Beruf und Familie Stormarn“ und die der Stiftung vorgeschaltete gemeinnützige „Beruf und Familie Stormarn GmbH“ gegründet. Die Stiftung will Unternehmen in Stormarn zunächst bei der Schaffung von Kinderbetreuungsangeboten unterstützen. Als erstes Projekt ist in dieser Woche das Notfallangebot angelaufen. Initiatorin des bundesweit einmaligen Projektes ist Birte Kruse-Gobrecht, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Stormarn.

Eltern, denen morgens die Kinderbetreuung weggebrochen ist – Kita geschlossen, Oma und Nachbarn nicht greifbar oder krank – bekommen durch diesen Service binnen zwei Stunden eine qualifizierte Betreuerin, die sich um das Kind kümmert. Zu Hause oder in der Firma der Eltern. Die Notfallbetreuung wird in Kooperation mit dem Oldesloer Familienzentrum „Mehrgenerationenhaus Oase e.V.“ koordiniert. Zehn Euro pro Mitarbeiter und Jahr zahlen die beteiligten Unternehmen für diesen Service.

Dieses Angebot hat Jan-Willem Roes, Geschäftsführer von Party Rent, sofort überzeugt. Spätestens, als der heute 38-Jährig selbst auf der Suche nach einem Betreuungsplatz für seine Kinder (drei und anderthalb Jahre alt) war, dämmerte ihm, dass hierzulande alles ein bisschen anders läuft als in seinem Geburtsland Holland. „Noch bevor unser erstes Kind geboren war, saß ich bei einer Informationsveranstaltung in einem Oststeinbeker Kindergarten, der zehn Plätze zu vergeben hatte. Im Raum saßen aber mindestens 25 Elternpaare“, erinnert er sich. Da sei ihm klar geworden, dass es gar nicht so dumm ist, in Deutschland früh mit der Suche nach einem Betreuungsplatz zu beginnen. Neu für den Holländer, in dessen Heimatland die meisten Mütter wenige Monate nach der Geburt selbstverständlich wieder anfangen zu arbeiten, einen sicheren Platz in einer Kita bekommen, die bis auf Weihnachten täglich geöffnet hat.

Die Idee, sich und seinen 50 Mitarbeitern das Leben mit einer Betriebskita am Senefelder Ring zu erleichtern, verwarf er schnell wieder. „Ich bekam gefühlt einen halben Meter Informationsmaterial. Im Ergebnis kann man sagen, dass es einem die Gesetze unmöglich machen, eine Kita in der Firma zu eröffnen“, sagt Jan-Willem Roes, der im November zum dritten Mal Vater wird. Die Maßnahme, den Mitarbeitern den Familienalltag mit dem Notfallplan zu erleichtern, ist nicht die einzige bei Party Rent. Weil eine Angestellte für ihren anderthalbjährigen Sohn in Winsen an der Luhe keinen Betreuungsplatz bekommen hat, arbeitet sie jetzt von zu Hause aus. „Wir haben ihr dort Telefon und Computer eingerichtet. Ruft sie von Winsen aus die Kunden an, erscheint unsere Reinbeker Firmennummer“, erklärt Roes. Einmal im Monat kommt die Kundenbetreuerin nach Reinbek, um den persönlichen Kontakt zu den Kollegen nicht zu verlieren. „Das Pilotprojekt läuft seit drei Monaten hervorragend“, so der Firmenchef.

Arlett Lück (36), Mutter eines zwei- und eines fünfjährigen Kindes, arbeitet mit einem Zeitarbeitskonto. Am Ende des Jahres muss sie eine gewisse Stundenzahl vorweisen können. „Das ist flexibel. Muss sie morgens beispielsweise mit dem Kind zum Arzt, kann sie anderthalb Stunden später kommen, die Zeit nacharbeiten“, erklärt Roes. Die 36-Jährige freut sich zudem über das neue Betreuungsangebot im Notfall. Jetzt kann Oma beruhigt in Urlaub fahren...