Bestattungskultur

"Der Friedhof ist eine grüne Perle der Gemeinde"

Wentorf (st). Grabbeilagen gehören mit zu den ersten Spuren menschlichen Lebens überhaupt. Vielen gelten die Bestattungsriten gar als Zeichen einer höheren Kultur oder zumindest als Eigenart, die den Menschen von den Tieren unterscheidet.

Deshalb bot Margret Fischer gestern im Rahmen der 6. Wentorfer Kulturwoche eine historische und botanische Führung über den Friedhof an.

Als Biologin legte Fischer einen Schwerpunkt auf die gärtnerische Gestaltung des Friedhofs: "Er ist eine grüne Perle der Gemeinde", lobte sie. "Die Pflanzen sind aber nicht nur Schmuck, sondern auch Symbol für das Leben." Bäume und hohe Stauden auf den Gräbern seien allerdings nicht gestattet. Stattdessen bietet der Friedhof selbst einen alten und hohen Baumbestand. "Es sind vorwiegend Laubbäume", stellte sie fest. "Und ihre sich während der Jahreszeiten wandelnden Farben symbolisieren Werden und Vergehen." Seit 2009 gibt es die Möglichkeit der Urnenbestattung unter Bäumen. Diese Begräbnisform ist auch beliebt, weil sie pflegeleicht ist, und wird jetzt auch für Särge eingerichtet.

Während Fischer im Vorbeigehen auf besondere Pflanzen hinwies, wie eine Hortensie, die sich eine Eiche hinaufrankte, oder einen roten Ahorn, berichtete sie über den Symbolgehalt einiger Pflanzen: So steht Vergissmeinnicht für den Abschied in der Liebe, Buchsbaum, Myrthe und Rose für die Liebe über den Tod hinaus.

"Ich würde gern einmal wissen, was auf diesem Gelände passierte, bevor der Friedhof hier entstand", sagte Angela Dahm (68), deren Mann in Wentorf bestattet wurde. Viel konnte die Referentin über die Geschichte vor Ort allerdings nicht erzählen. Denn die letzte Ruhestätte der Wentorfer ist relativ jung: "1957 konnte Pastor Helmut Zinner die 3,6 Hektar zwischen Petersilienberg und Burgberg für 50 Pfennig pro Quadratmeter für die evangelische Martin-Luther-Gemeinde erwerben", berichtete Fischer. Der Vorbesitzer konnte das sehr hügelige Brachland am Petersilienberg kaum nutzen. Die Gemeinde ließ dort die Kapelle errichten und nutzte zunächst die Anhöhe für Bestattungen. Insgesamt ist Platz für 3100 Grabstellen, von denen bisher 2000 vergeben sind. Vereinzelt sind auf den Grabsteinen noch ältere Sterbedaten zu lesen, doch das liegt daran, dass anfangs einige Verstorbene nach Wentorf umgebettet wurden. Mittlerweile sind die Sohlen der tiefen Schluchten im Süden und im Norden um fünf Meter aufgefüllt. Diese Areale vervollständigen die Anlage.