Feuerwehr-Desaster

„Wenn unsere Wehr plant, wird das eine Wunschliste“

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Reinbek. In der Diskussion um die Feuerwehr-Bedarfsplanung herrscht weiterhin Uneinigkeit. Jetzt soll ein öffentlich bestellter Gutachter unter Einbeziehung der drei Ortswehren endlich Klarheit bringen und einen unabhängigen Bedarfsplan erstellen. Dafür werden 22.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Der „Blaulicht-Einsatz“ aus Kiel zeigte am Dienstagabend im Feuerwehrausschuss keine Wirkung. Vergangene Woche hatte Innenminister Klaus Schlie (CDU) an der Seite von Bürgermeister Axel Bärendorf für den Neubau einer Feuerwache geworben. Eine Allianz, die von der Politik nicht gestärkt wurde. Die möchte sich in der festgefahrenen Feuerwehr-Debatte lieber unabhängigen Rat einholen. Ein Antrag der CDU für die „Erstellung eines Feuerwehrbedarfsplanes“ unter Einbeziehung aller drei Ortswehren wurde mit großer Mehrheit empfohlen.

Die Verwaltung soll danach einen öffentlich bestellten und vereidigten Gutachter beauftragen. Dafür werden 22.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Angebot eines Sachverständigen, der Forplan Dr. Schmiedel GmbH aus Bonn, reichte Peter Huschke (CDU) gleich mit dem Antrag an Bauamtsleiter Sven Noetzel weiter. Auf Anregung der SPD sollen die Ergebnisse bis Juni vorliegen. Ein sportliches Ziel, das nicht einzuhalten ist, schätzt Noetzel nach einer Durchsicht des Angebotes. „Wenn alle Daten von uns geliefert sind, braucht der Gutachter noch mindestens fünf Monate für die Auswertung“, so Noetzel. Damit wäre bis zu den nächsten Haushaltsberatungen erst einmal wieder alles auf Eis gelegt.

Der Graben zwischen Verwaltung, Politik und Freiwilligen scheint derweil immer größer zu werden. Die Verwaltung fiel bei der Politik ebenfalls durch. „Sie bemüht sich, geht aber in die falsche Richtung“, kritisierte Günther Herder-Alpen (Grüne). Die Experten im Rathaus kamen zu dem Schluss, dass die Wache an der Klosterbergenstraße nicht mehr für moderne Anforderungen umgebaut werden könne. Auch der Feuerwehr wird misstraut: „Den Bedarfsplan muss ein Unabhängiger machen. Wenn das unsere Wehr macht, wird das eine Wunschliste“, sagte Herbert Kaphengst (CDU).

Traut die Politik der Feuerwehr nicht? Diese Frage wollte Karsten Hein gestern auf Nachfrage unser Zeitung nicht kommentieren. „Es gibt einen Feuerwehrbedarfsplan, wenn man uns befragen würde, würden wir den auch vorlegen“, sagte der Gemeindewehrführer. Gefragt wurde er in der Sitzung vor allem von der FPD, die den Feuerwehrbedarfsplan der Wehr vor einer weiteren Entscheidung diskutieren wollte: „Ich frage mich, warum wir uns dafür Fachleute leisten sollten“, gab Uwe Rasch (FDP) zu bedenken. Der 60 Seiten starke Bedarfsplan umfasse die personelle Struktur der Wehr, die Funktion, die Geräte und gleiche diese mit den Anforderungen durch Bevölkerung, Wohn- und Gewerbestruktur ab, so Hein. Außerdem sei der Bedarfsplan eine Voraussetzung von Land und Kreis bei der Vergabe von Fördermitteln für die Fahrzeugbeschaffung.

Letztlich gab der Beschluss im Ausschuss aber auch neue Hoffnung in der zerstrittenen Debatte. Der Antrag sei von heilender Wirkung und könne Frische in die Diskussion bringen, so ein Politiker. „Vielleicht bekommen wir so etwas Ruhe in die Diskussion“, hofft Gerd Prüfer (SPD). Hein ist sicher, dass der Gutachter die Notwendigkeit eines Neubaus bestätigen werde.