Eklat

Causa Bismarckbund vor Gericht

Reinbek. Konservativ, konstruktiv und kritisch - so stuft sich der Bismarckbund selbst ein. "Im Grunde geht es nur noch um Geld und Macht und nicht mehr um die Idee von Bismarck", sagt hingegen ein enttäuschtes Mitglied gegenüber unserer Zeitung.

Gestern hat es die "Causa Bismarckbund" sogar bis vors Amtsgericht Reinbek geschafft. Zwei Mitglieder waren mit einem Anwalt dagegen vorgegangen, dass sie kurz vor Weihnachten - wie berichtet - plötzlich aus dem Verein ausgeschlossen worden waren.

Bei der Mitgliederversammlung im Dezember war es zu tumultartigen Szenen gekommen. Einem Mitglied wurde zuvor per Einschreiben mit fürstlicher Unterschrift Hausverbot erteilt, ein anderes ausgeschlossenes Mitglied sollte mit Polizei aus dem Saal geführt werden. Ein älterer Herr nahm sich das Ganze so zu Herzen, dass er zusammenbrach. Der Mann verstarb einige Tage später.

Die betroffenen Mitglieder stritten gestern in eigener Sache vor Gericht. Ihr Rauswurf sei aufgrund von Formfehlern nicht rechtens, sagen sie. Auch die Begründung, sie hätten sich abwertend über den Schirmherrn Ferdinand von Bismarck geäußert, stimme nicht. "Diese Worte sind niemals gefallen. Die Zeugen, die das angeblich gehört haben wollen, werden merkwürdigerweise namentlich nicht genannt", sagte ein Kläger gestern vor Gericht. Vielmehr vermutet er, dass seine kritischen Nachfragen zur Finanz- und Personalpolitik beim Vorstand nicht gut angekommen sind. Beide Mitglieder fühlen sich mundtot gemacht.

Was sich genau hinter den Kulissen des Vereins abgespielt hatte, vermochte auch die Richterin gestern nicht zu klären. Zumal der Vorstand des Bismarckbundes nur einen Anwalt vorgeschickt hatte und nicht persönlich erschienen war. Schnell signalisierte die Vorsitzende jedoch, dass der Ausschluss in der Tat rechtlich auf sehr wackeligen Beinen stehe und einer genaueren Prüfung wohl kaum standhalten würde. Hierbei ging es unter anderem um Unterschriften, Anhörungsfristen und die generelle Legitimation des derzeit amtierenden Vorstandes. Mit einem Vergleich in der Tasche verließen beide Parteien den Gerichtssaal. Demnach sind die beiden Ausgeschlossenen wieder Mitglieder des Bismarckbundes, die Kosten des Verfahrens werden geteilt.

Richtig glücklich waren beide Kläger darüber nicht, ihnen wäre ein Urteil statt eines Vergleichs lieber gewesen. Das jedoch hätte weiterer Gerichtsverhandlungen bedurft, der Richterspruch monatelang auf sich warten lassen. Ob es dann den Bismarckbund überhaupt noch gibt, bezweifeln sie. Die Insolvenz des Vereins stehe kurz bevor. Grund: Der Verein leiste sich weiterhin eine Geschäftsführerin, deren Gehalt nach dem Wegbrechen eines Hauptsponsors allein aus Mitgliedsbeiträgen nicht mehr zu finanzieren sei.

Ob sie nun als ordentliches Mitglied freiwillig austreten oder mithelfen werden, den Bismarckbund zu retten, vermochten beide Kläger gestern noch nicht zu sagen. Der Bismarckbund wird das Gericht weiter beschäftigen. Weitere Klagen liegen vor.