Begräbnis

Abschied von Hilde von Lang

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Susanne Tamm

Reinbek. 100 Trauergäste begleiteten die einstige Zeit-Verlegerin und Lebensgefährtin von Gerd Bucerius auf ihrem letzten Weg.

Sie war eine der Großen der Hamburger Verlagslandschaft. Gestern nahm die Verlagswelt Abschied von Hilde von Lang, ehemalige Geschäftsführerin und Verlegerin der Wochenzeitung „Die Zeit“, und begleitete sie auf ihrem letzten Weg. Sie wurde an der Seite ihres einstigen Lebensgefährten, dem Zeit-Gründer Gerd Bucerius in Reinbek begraben.

„Prinzipalin“, „preußische Haltung“, aber auch „Hamburger Deern“ – mit diesen Worten beschrieben die Trauergäste gestern Hilde von Lang, die am 3. April im Alter von 85 Jahren gestorben war. Unter ihnen waren unter anderem Fernsehmoderator Wilhelm Wieben und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Herausgeber Helmut Schmidt ließ ausrichten, er bedauere es unendlich, wegen eines anderen Termins nicht kommen zu können.

Dr. Thies Daniels verabschiedete sich mit sehr persönlichen Worten von seiner Patentante: „Liebe Hilde, Du warst nicht die liebende Sonne, aber mein Orientierungs-Stern, dessen Anerkennung ich mir wünschte.“ Von seinen ersten Erinnerungen als Zehnjähriger im gemeinsamen Urlaub auf Sylt bis zu seinem letzten Anruf an ihrem Sterbetag berichtete er in seiner Trauerrede. Im Tod habe sie ihn an die Nofretete erinnert. Er beschrieb, wie sie bis zuletzt Haltung, Würde und auch ein wacher Geist auszeichneten: „Anders als die meisten Älteren, warst Du am Hier und Jetzt interessiert.“ Auch zuletzt habe noch ein aufgeschlagenes Spiegel-Magazin auf ihrem Tisch gelegen.

Dr. Theo Sommer, Journalist und einstiger Zeit-Herausgeber, erinnerte an seine Kollegin und ihre Leistung: „Wir sind ein Vierteljahrhundert ein gutes Gespann gewesen.“ Hilde von Lang hatte Jura studiert, heiratete und brachte ihren Sohn Michael Brassey zur Welt. Dann wurde sie Journalistin für die Neue Post. 1969 fragte sie den Verleger, ob sie für „Die Zeit“ schreiben könnte. Er bot ihr die Anzeigenakquise an. Ihrer Ochsentour sei es zu verdanken gewesen, dass der neue Stellenteil ein großer Erfolg wurde. 1972 wurde von Lang fest angestellt, 1973 erhielt sie Prokura und wurde 1977 Mitglied der Geschäftsführung. Seit 1985 war sie neben Helmut Schmidt gleichberechtigte Verlegerin der Zeit und blieb es bis 1999. Privat war sie währenddessen erst zu Gerd Bucerius’ Vertrauten, dann zu seiner Lebensgefährtin geworden. Nach seinem Tod vollzog sie ganz in seinem Sinne den Verkauf des Zeit-Verlages an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. „Für mich war sie der Inbegriff der ‚Hamburger Deern’: Kühl und sonnig wie der heutige Tag.“

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