Gewerbe

Schlüsselgewalt in zarter Hand

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Reinbek (st). Ab August liegt sie in ihren zarten Händen: Tatjana Pünjer übernimmt dann mit dem Wach- und Sicherheitsdienst Pünjer (DSP) ihres Vaters Wolfgang die Schlüsselgewalt für die betreuten Objekte.

Dann zählt sie zu den wenigen Chefinnen eines Sicherheitsdienstes. "Eigentlich sind das nämlich alles Männer", hat die 23-jährige Reinbekerin herausgefunden. Sie selbst sieht keine Probleme, sich bei den acht Mitarbeitern durchzusetzen: "Ich kenne die alle, die sind ganz umgänglich." Ansonsten hätten sie sich nach ihren Dienstplänen zu richten.

DSP überwacht über eine Zentrale in Geesthacht Alarm- und Funkanlagen, wie beim Deutschen Wetterdienst in Pinneberg, in Kirchen und Kindergärten oder auch auf dem unübersichtlichen Gelände des ehemaligen Krankenhauses Edmundsthal. Tatjana Pünjer hat die Aufgaben schon als Jugendliche kennengelernt: Sie hat nicht nur ihr Schulpraktikum bei ihrem Vater absolviert, sondern war bei großen Veranstaltungen, wie bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 auf dem Menzer-Werft-Platz, wo Pünjers Team für die Einlasskontrollen zuständig war, immer dabei.

Ein bisschen Lampenfieber hat die junge Frau jedoch schon, wenn sie an ihre ersten Arbeitstage auf dem Chefsessel denkt. "Aber mein Vater steht mir ja zur Seite", beruhigt sie sich selbst. Angst vor nächtlichen Einsätzen kennt sie jedoch nicht. "Die Polizei ist immer vor uns da", weiß sie von ihrem Vater. "Eine brenzlige Situation hat von uns noch niemand erlebt", berichtet der 64-Jährige. Für den Notfall sind die Wachleute stets mit Handschellen, Schlagstock und Pfefferspray ausgerüstet, aber Tatjana hat eine bessere "Geheimwaffe" und sagt mit einem Schmunzeln: "Zur Not rufe ich Papa an."

Wolfgang Pünjer, der DSP 1999 gründete, hätte auch noch länger gearbeitet, wenn seine Tochter nicht arbeitslos geworden wäre. Die gelernte Betriebsschlosserin wurde nach der Ausbildung nur für ein Jahr übernommen und fand dann in ihrem Beruf keine Beschäftigung mehr. "Ich muss der jungen Generation doch eine Chance bieten", sagt er und ist zuversichtlich, dass seine Tochter es packt: "Sie ist etwas Besonderes", sagt der 64-Jährige stolz.

Das für den Sicherheitsdienst erforderliche einwandfreie Führungszeugnis ist für die junge Reinbekerin kein Problem, und durch das Förderprogramm der Agentur der Arbeit "Kompex" ist sie vorbereitet: Sie habe viel über Finanzen, Steuern, Marketing und alles, was sie als Unternehmerin wissen muss, gelernt. Jetzt fehlt ihr nur noch ein Seminar für den sogenannten Paragraf-34-a-Schein, den jeder Mitarbeiter eines Wachdienstes vorweisen muss. Einen Vorteil hat die künftige Chefin: Im Gegensatz zu ihrem Vater kann sie auch einmal Urlaub machen - denn er kann sie vertreten.

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