Einzelhandel

Bille-Center kämpft gegen Große

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Susanne Tamm

Reinbek. Über mangelnde Einkaufsmöglichkeiten können sich die Reinbeker nicht beklagen: Gerade hat der neue Famila-Markt an der Liebigstraße eröffnet, seit August 2007 gibt es das Einkaufszentrum an der Sachsenwaldstraße in Schönningstedt, seit September 2008 kann man im Bille-Center an der Hermann-Körner-Straße shoppen, die Einkaufszeile am Täby-Platz wurde modernisiert und im November 2008 neu eröffnet.

Eine Kundin aus Glinde spricht das aus, was sich viele Reinbeker jetzt fragen: "Wie sollen die Einkaufszentren künftig alle existieren? Man weiß bald kaum noch, wo man kaufen soll", sagt Ingrid Spiegel. Die 52-Jährige jedenfalls hat sich für das Bille-Center entschieden. Sie kommt auch nur für einen Cappuccino und ein belegtes Brötchen vorbei.

Wir haben uns vor Ort umgehört. Fazit: Auch wenn der Name "Bille-Center" nur wenigen Kunden etwas sagt und viele meinen, dass das kleine EKZ zuwenig Zulauf hat, sind die meisten Kunden und Einzelhändler zufrieden.

Jürgen Müller (69) beispielsweise sagt: "Ich fürchte, das Bille-Center hat keine Zukunft. Aber ich kaufe lieber in kleinen Läden, weil ich keine Lust habe, für drei Teile eine halbe Stunde durch endlose Gänge zu gehen." Seine Frau Inge stimmt ihm zu: "Penny hat schließlich auch eine gute Gemüseabteilung. Wir vermissen hier nichts und könnten zu Fuß herkommen." Ihr Mann wünscht sich vielleicht noch eine gemütliche Kneipe.

Malaika Jaworsky (33) kommt sogar aus Barsbüttel, denn sie findet hier Artikel für ihre dreijährige Tochter Bianca im Drogeriemarkt, die sie sonst nirgends bekommt. Auch Familie Soltau aus Glinde kommt regelmäßig zum Bille-Center: "Hier gibt es ein Schuhgeschäft, das Dänische Bettenlager - alles ist da", sagt Karin Soltau. "Famila ist zu unübersichtlich, allerdings gehen wir noch lieber zu Kratzmann nach Schönningstedt."

Die Aussagen decken sich mit den Beobachtungen von Marcel Busch, Marktleiter des Getränkelandes und der Futterquelle: "Wenn die Kunden uns erstmal gefunden haben, kaufen sie gern bei uns." Denn viele übersehen die unauffällige Auffahrt direkt an der Aral-Tankstelle. Wer aus der Innenstadt kommt und den riesigen Pylon hinter der Kurve dicht an der Straße bemerkt, hat meist bereits die Auffahrt verpasst.

Doch die meisten Geschäftsleute beklagen sich nicht über den Standort: "Unsere Erwartungen werden erfüllt", sagt Busch. "Die Aufhebung der Straßensperrung wegen der Famila-Baustelle macht sich positiv bemerkbar, das gleicht sich mit der Eröffnung wieder aus." Katharina Krieger, Verkäuferin des Aktiv-Schuh-Marktes, hat beobachtet, dass viele ihrer Kunden in der Mittagspause und wieder ab 16 Uhr vorbeischauen. "Man wünscht sich immer mehr Kunden, aber es läuft", sagt sie. Das Drogerie-Unternehmen DM sucht für das Bille-Center sogar neue Mitarbeiter, will einen Ausbildungsplatz einrichten und plant, eine neue Filiale in Glinde zu eröffnen.

Doreen Nöhrig, Filialleiterin des Dänischen Bettenlagers, sagt hingegen: "Wir haben noch nicht erreicht, was wir uns vorgestellt haben." Sie hofft, dass das EKZ künftig mehr beworben wird, sieht allerdings die anderen Zentren nicht als Konkurrenz. Nöhrig vermutet vielmehr, dass ihre Filiale bei vielen Kunden noch nicht präsent ist und sie immer noch nach Bergedorf fahren.

Centermanagerin Ilona Vierth (Larus Asset Management GmbH) hat für die Geschäftsleute gute Nachrichten: "Gemeinsame Werbung ist von den Mietern zwar nicht gewollt, aber wir haben bereits Hinweisschilder für die Einfahrt sowie eine große, beleuchtete Werbetafel bestellt."

"Wie sollen die Einkaufszentren künftig alle existieren? Man weiß bald kaum noch, wo man kaufen soll."

Ingrid Spiegel (52), aus Glinde

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