Bürgerwillen

"Alles steht zur Disposition"

Reinbek (sho). Diskussionen um Brücken, Buslinien und Spielplätze haben die Hinschendorfer in den vergangenen Wochen in Rage versetzt. In Demonstrationsstärke liefen sie im Rathaus auf, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Einige vergriffen sich in ihrem Zorn im Ton (wir berichteten). Wie soll man in Zukunft mit dem Bürgerwillen umgehen, fragen sich jetzt nicht wenige Politiker? Bürgermeister Axel Bärendorf findet deutliche Worte: "Wir lassen uns das Denken nicht verbieten. In Zukunft müssen wir alles zur Disposition stellen", betont er. Und diese Diskussion mache auch vor Kinderspielplätzen nicht Halt. "Wenn die Bürger von uns erwarten, dass wir kritisch mit Finanzen umgehen, können wir nicht überall Hurra schreien." Insgesamt habe die Streitkultur sehr gelitten. Anstatt das Gespräch miteinander zu suchen, würden künstlich Fronten aufgebaut, große Gruppen mobilisiert, Stimmungen erzeugt.

Den Zorn der Bürger führen einige Politiker auf mangelnde Information zurück. "Wir brauchen mehr Transparenz, die Bürger müssen gut informiert sein", sagt Volker Müller, Fraktionsvorsitzender der SPD. Stimmungsmache, angeheizt durch Gerüchte, bringe niemanden weiter. Ein Grundsatz, den auch Bernd Uwe Rasch, Fraktionsvorsitzender der FDP, so unterschreiben würde. Sein Motto: Ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger und sachliche Information. "Anders geht es nicht." Das Problem: "Es gibt nur ganz wenige, die sich überhaupt kontinuierlich für Politik interessieren. Viele kommen nur, wenn etwas sie persönlich betrifft, direkt vor ihrer Haustür passiert", sagt Wilfried Potzahr, Fraktionsvorsitzender der CDU. Er kann sich vorstellen, dass Einwohnerversammlungen zum gegenseitigen Verständnis und zur sachlichen Auseinandersetzung beitragen. Das Vertrauen der Leute gewinnen, ist auch für Heinrich Dierking vom Forum 21 das wichtigste. Statt Stimmungsmache setzt er auf Sachkunde. Zünftige Debatten wird es wohl auch in Zukunft im Rathaus geben. "Das ist legitim, das ist Ok. Wer im politischen Geschäft ist, muss damit umgehen können", sagt Grünen-Chef Günther Herder-Alpen.

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