Auszeichnung

"Wir sollten ihnen nacheifern"

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Susanne Holz

Reinbek. Sogar das Schloss hatte sich gestern festlich herausgeputzt. Die deutsche, französische und schleswig-holsteinische Flagge flatterten weithin sichtbar bedeutend im Wind, als Lothar R. Zug und Georges-Arthur Goldschmidt sowie der Mitte Januar verstorbene Helmut Schomann in einem Festakt zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt wurden.

Für den festlichen Rahmen in historischer Umgebung sorgten nicht nur das Bläserensemble der Sachsenwaldschule, sondern auch die Laudatoren Alfred Schulz, Lothar Obst und Klaus Peter Puls, die den rund 70 Gästen die beeindruckenden Lebensleistungen der Geehrten vor Augen führten.

"Die Ehrenbürgerwürde ist die höchste Auszeichnung, die eine Stadt vergeben kann", betonte Hans-Jörg Carstensen, stellvertretender Bürgervorsteher, in seiner Begrüßungsrede. Dementsprechend gerührt zeigte sich auch der in Reinbek geborene und in Paris lebende erfolgreiche Autor Georges-Arthur Goldschmidt (80) in seiner Dankesrede. "Diese Würde geht mir sehr ans Herz", sagte er bewegt. Als Zehnjähriger musste er vor dem nationalsozialistischen Gewaltregime aus seiner Heimatstadt flüchten, und beeindruckte gestern trotz der traumatischen Kindheitserlebnisse mit einer großen Versöhnungsgeste. "Das, was passiert ist, ist nicht die Schuld Reinbeks. Die Stadt ist meine Heimat. Allein mit meinen Kindheitserinnerungen könnte ich ganze Bücher füllen." Sein Laudator Alfred Schulz, ehemaliger Bürgervorsteher und Landtagsabgeordneter, betonte: "Ich freue mich sehr, dass Georges-Arthur Goldschmidt hin und wieder nach Reinbek kommt und von der ganzen Stadt als Persönlichkeit wahrgenommen wird."

Auch der neue Ehrenbürger Lothar R. Zug bedankte sich tief bewegt für das ganz besondere Geschenk der Stadt. Der 80-Jährige ist das, was Laudator Lothar Obst, kaufmännischer Direktor des Krankenhauses St. Adolf-Stift, einen "Menschen der unbändigen Tat bis ins hohe Alter nennt". Es gebe kein Amt in der Stadt, das der umtriebige Kommunalpolitiker und derzeitige Bürgervorsteher noch nicht bekleidet habe. Er habe sich durch sein soziales Engagement, seine ruhige ausgleichende Art und sein faires Durchsetzungsvermögen, gepaart mit trockenem Humor, ein hohes Ansehen in der Stadt erworben. "Es braucht Menschen wie ihn, die nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere denken", betonte Obst.

An einen weiteren Reinbeker, der mit seinem Engagement für das Gemeinwohl Maßstäbe gesetzt hat, erinnerte der Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Klaus-Peter Puls (SPD). "Helmut Schomann hat nicht nur als Tischler, sondern auch als Kommunalpolitiker dicke Bretter gebohrt. Er war mit Leib und Seele Politiker und lebte nach dem Motto: Die Utopien von heute sind die Realitäten von morgen", so Puls über den verstorbenen Schomann, der kurz vor seinem Tod zum Ehrenbürger ernannt worden war. Stellvertretend für ihren Vater nahmen gestern Manuela Link und Martina Kay die Urkunde entgegen. "Mein Vater war schon sehr krank, als er die Ehrenbürgerwürde bekam. Er hat sich aber sehr darüber gefreut", sagte Manuela Link. Sie bat die Gäste um eine Gedenkminute. Hans-Jörg Carstensen nutzte die Feierstunde für einen Appell: "Wir sollten die Ehrenbürger zum Ansporn nehmen, ihnen nachzueifern. Nur mit diesen Leuchttürmen kann unsere Gesellschaft funktionieren."

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