Bühne

Geld allein macht auch Jedermann nicht glücklich

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Reinbek (hs). Seit fast 90 Jahren ist das Stück "Jedermann" der Höhepunkt der Salzburger Festspiele.

Das Ensemble Jacob-Schwiers aus Bayern präsentierte am Sonnabend seine Fassung des berühmten Werkes im Sachsenwald-Forum. Hugo von Hofmansthal schrieb 1911 "Das Spiel vom Sterben des Reichen Mannes", in dem wie im Mittelalter Tod, Teufel, Glaube und Reichtum als Personen auf der Bühne zu sehen sind.

Der reiche Jedermann (Holger Schwiers) ist genusssüchtig und ungläubig. Seinen armen Nachbarn (Hagen Marks), der ihn um Geld bittet, und einen Schuldknecht (Frank Hangen), der seinetwegen eingesperrt werden soll, verspottet er nur.

Armut, Leid und die Vorwürfe seiner alten Mutter (Ellen Schwiers) lassen ihn jedoch nicht völlig unberührt. Um seine Melancholie zu beseitigen, begibt Jedermann sich zu seiner Buhlschaft (Magda Kropiunig), die ein rauschendes Fest für den Geliebten organisiert hat. Doch Jedermann hört Glocken und Stimmen, fühlt, dass der Tod naht. Der tritt als schaurige schwarze Gestalt (Ingo Neise) auf. Jedermann fleht um eine einzige Stunde, um einen Verbündeten zu suchen, der ihn vor dem Gericht Gottes vertritt. Aber weder sein treuer Geselle (Thomas Ney), noch die Vettern (Urs Douwes, Dirk Bender) wollen mit ihm in den Tod gehen. Sein Reichtum, der erst als kleine, goldene Puppe und dann als Furcht erregende Person mit goldener Fratze (Frank Hangen) erscheint, entlarvt seinen Meister als Narr: Das Geld war nur "geliehen für irdische Tage".

Einzig seine lebenslang vernachlässigten guten Werke in Gestalt einer gebrechlichen Frau (Sabine Urban) sind Jedermanns Gefährten in den Tod. Ihre Schwester, der Glaube (Eva Röder), rät ihm, Gott um Gnade zu bitten. Diese letzte Hoffnung ergreift er und Gott vergibt dem reuigen Sünder. Er rettet ihn vor den Klauen des Teufels (Hagen Marks).

Marks erntete als kindisch enttäuschter Teufel Szenen-Beifall. Schwiers mimte glaubhaft den durchschnittlichen Jedermann, der wegen seines Reichtums überheblich und geringschätzig geworden ist. Die gut besuchte Vorstellung stimmte nachdenklich - auch 80 Jahre nach Hofmansthals Tod.

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