Freiwillige Feuerwehr

30 Retter üben den Ernstfall

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Timo Jann

Wentorf. Mit Blaulicht und Martinshorn donnern die Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Freitagabend gegen 19.21 Uhr den Südring entlang.

Ziel: Ein Verkehrsunfall in Höhe Südredder, bei dem Menschen in einem zerstörten Autowrack eingeklemmt sind. Was die ehrenamtlichen Retter noch nicht wissen: Es handelt sich nur um eine Übung. Die Szene wirkt allerdings so echt, dass viele Schaulustige bei eisiger Kälte den Großeinsatz beobachten.

Wehrführer Dirk Sacher und Zugführer Orm Rudolf haben mit einigen Helfern am Unglücksort alles vorbereitet: Kopfüber liegt ein demoliertes Auto in einem drei Meter tiefen Entwässerungsgraben neben dem Südring. Die Insassen sind mit künstlichem Blut als Unfallopfer präpariert.

Sieben Minuten nach dem Alarm ist das erste Löschfahrzeug an der Unfallstelle. Dazu kommen zwei Rettungswagen und ein Notarztwagen des Hamburger Rettungsdienst-Unternehmens GARD (Gemeinnützige Ambulanz- und Rettungsdienst GmbH). Weitere Löschwagen folgen. Nach wenigen Augenblicken sind 30 Helfer im Einsatz.

"Normalerweise ist bei Unfällen hier bei uns der Rettungsdienst schneller vor Ort als wir: Diesmal haben wir es aber extra so abgestimmt, dass der Rettungsdienst etwas später eintrifft, damit unsere eigenen Sanitäter den Erstangriff übernehmen mussten", sagt Sacher. Ein Training, das im Ernstfall hilft, Menschenleben zu retten. Mehrmals im Monat treffen sich die Wentorfer Feuerwehrleute, um den Umgang mit den Geräten zu üben. Sacher erläutert: "Wir müssen auf alle möglichen Situationen vorbereitet sein." Gemeinsam mit seinem Zugführer beobachtet er den Übungsablauf ganz genau. Mögliche Schwachstellen sollen entdeckt und künftig gezielt verbessert werden.

Während sich mittlerweile die Mitarbeiter von GARD um die beiden noch immer im Auto liegenden Insassen kümmern, bereiten die Feuerwehrleute die technische Rettung der Verletzten vor. Das Auto wird stabilisiert, damit es sich nicht unbeabsichtigt bewegt. Die Rückbank wird demontiert, um einen guten Zugang zum Beifahrer zu erreichen. Um den Fahrer zu retten, wird das hydraulische Rettungsgerät eingesetzt. Millimeter für Millimeter frisst sich die hydraulische Rettungsschere durch den Holm, der Dach und Chassis hinter der Wagentür verbindet. 20 Schaulustige stehen um das Wrack herum, staunen, wie die Retter arbeiten.

Neben den Mitarbeitern des Rettungsdienstes arbeiten direkt am Auto nur so viele Feuerwehrleute, wie unbedingt nötig sind. Die anderen führen im Hintergrund Regie, sorgen für den Brandschutz oder reichen weitere Geräte zu. Ein eingespieltes Team, das Hand in Hand arbeitet. Um 20.11 Uhr ist der erste "Verletzte" gerettet, 20 Minuten später auch die zweite Person.

"Der letzte schwere Verkehrsunfall, bei dem wir helfen mussten, ist zum Glück schon etwas länger her. Aber es kann leider jederzeit passieren, sodass alle Handgriffe sitzen müssen", erklärt Sacher. "Der Einsatz hat insgesamt gut geklappt. Woran wir auf jeden Fall arbeiten müssen, ist die Beleuchtung. Der Aufbau hat mich nicht zufrieden gestellt", zog der Feuerwehrchef eine erste Bilanz. Während diesmal der Einsatz unangekündigt erfolgte, haben die Feuerwehrleute die Personenrettung noch zweimal fest im Dienstplan für 2009 stehen.

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