Schloss Reinbek

Bald unter Blütendach lustwandeln

| Lesedauer: 2 Minuten

Reinbek (amü). Die Sonne können die Freunde des Schlosses nicht in den Garten zaubern, dafür aber viele Ideen. Und so verspricht auch das jüngste Projekt des Fördervereins blühende Aussichten. Gestern inspizierte Axel Bohlens, Fachagrarwirt für Baumpflege und -Sanierung, mit Vorstandsmitgliedern des Vereins den 70 Meter langen Laubengang.

Zurzeit winden sich hier blätterlose Stämme von Glyzinien (Blauregen) an zwölf der 30 Pfosten. Die restlichen sind eingegangen, denn die schattige östliche Randlage bietet den sonnenhungrigen Pflanzen zu wenig Licht.

Dennoch, die Freunde des Schlosses Reinbek möchten für Besucher des Gartens das Lustwandeln unter Blüten durch den Laubengang wieder erlebbar machen. "Der Schlossgarten ist zurzeit unser Hauptprojekt", sagt der Vorsitzende Helmut Busch. Nach dem Pflanzen des Ginkgobaumes ist das nächste Ziel: neue stattliche Rankpflanzen für jeden der Pfosten der Metallpergola. Im Frühjahr könnten sie gesetzt werden. Allerdings ist dafür nicht nur der Boden zu bereiten. Die Blicke der Teilnehmer des kleinen Inspektionstrupps richteten sich gestern auch in die Wipfel der großen Bäume, die vom Nachbargrundstück über den Laubengang ragen. "Wir werden mit dem Eigentümer das Gespräch suchen", sagt Busch. Bohlens wird die Kosten des nötigen Baumbeschnitts ermitteln. Wenn alle Zahlen vorliegen, soll im Februar in der Vorstandssitzung eine Entscheidung über die Investition gefällt werden.

Während das Schloss in voller Schönheit eines Renaissancebaus erstand, war die Wiederherstellung des Parks in den 1970/80er-Jahren problematisch. Historische Substanz aus der Anfangszeit war nicht mehr vorhanden. Allein die alten Bäume aus der Mitte des 19. Jahrhunderts lassen nicht auf ein systematisches Gestaltungskonzept schließen. Der alte Renaissance-Lustgarten mit seinen Sichtachsen und strengen Formen hinter dem Schloss sollte zumindest andeutungsweise wiederbelebt werden. Dafür wurde unter anderem die Ostseite durch einen Pergolagang markiert.

Die Metallkonstruktion der Pergola kann den Eindruck eines über hölzerne Kletterhilfen gezogenen grünen Bogengangs nicht vermitteln, heißt es in dem Buch "Der Reinbeker Schlossgarten - Geschichte und Entwicklung von 1578 bis zur Gegenwart", das der Verein der Freunde des Schlosses und der Kreis Stormarn 1996 herausgegeben haben. Vom Sitzplatz am Wasserbecken oder von dem Punkt aus, wo Pergola und Allee zusammentreffen, wird der Blick nach Süden zum See hingelenkt, während die wichtigste Eigenschaft eines Renaissance-Gartens, das "In-sich-Geschlossensein", nicht zum Ausdruck kommt, heißt es weiter in dem Buch (ISBN 3-529-02803-7).

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek