Jahreswechsel

Wenn der Champagner mit dem Taxi kommt

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Reinbek (sho). Wenn heute um 24 Uhr die Korken knallen, beginnen für Jens Wischnewski die letzten ruhigen Minuten der Nacht. "Erfahrungsgemäß klingelt ab viertel nach zwölf bis sechs Uhr morgens das Telefon in der Zentrale nonstop", weiß der Taxifahrer. Insgesamt sind 17 Autos der Taxizentrale Reinbek/Wentorf unterwegs, um Partygänger und Nachtschwärmer sicher zur Fete und anschließend wieder wohlbehütet nach Hause zu bringen.

Keine Nacht wie jede andere, schließlich liegen die Straßen voller Knallkörper und ganz Reinbek scheint auf den Beinen, um es in der Nacht der Nächte richtig krachen zu lassen. "Die meisten Leute sind gut drauf, haben Spaß. Wenn dann noch im Taxi das richtige Lied im Radio läuft, ist richtig gute Stimmung", sagt der 49-Jährige.

Er fährt gern, wenn andere feiern. In einer Nacht kann er bis zu 25 Touren fahren und dementsprechend gut verdienen. "Ich feiere dann am nächsten Tag ins neue Jahr", sagt der Straßenprofi. Wenn die Schicht zu Ende ist, heißt es bei dem Vater eines 17-jährigen Sohnes zu Hause "angrillen bei frostigen Temperaturen". Freunde und andere Fahrer schauen über den Tag verteilt bei ihm vorbei - wäre doch gelacht, wenn man das Jahr nicht auch am 1. Januar standesgemäß einläuten könnte.

Bis 20 Uhr abends sitzen die Taxifahrer dann oft beisammen, erzählen sich, was in der Silvesternacht alles los gewesen ist. "Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt", hat Wischnewski mittlerweile festgestellt. Leute, die zu tief ins Glas geschaut und ihren Magen nicht mehr im Griff haben, Paare, die sich auf der Rückbank heftig in die Wolle bekommen, eine schnelle Fahrt zum Krankenhaus oder Liebesschwüre an der Autotür. "Im Taxi spielt sich das ganze Leben ab. Das ist mal mehr, mal weniger schön", so der Lohbrügger. Wenn bei einer Party mal die Getränke oder Snacks ausgehen, wird er zum Retter in der Not. Drei Tüten Chips, vier Flaschen Rotwein, eine Kiste Bier und ein Päckchen Kondome ordern einige Anrufer in der Taxizentrale - und der Service folgt prompt. Wischnewski fährt zur nächsten Tankstelle, kauft ein und fährt vor. Niemand habe bislang die Zeche geprellt. Die Kunden zahlen nicht nur brav die Ware, sondern auch die gefahrenen Kilometer. "Machen wir doch gern. Wenn man helfen kann", sagt der gelernte Versicherungskaufmann freundlich.

Nur eines wird ihm sicher heute Nacht nicht passieren: Dass er, wie vor zwei Jahren geschehen, die Hollywoodgröße Liz Hurley in seinem Taxi ins Schloss nach Friedrichsruh chauffiert und die Engländerin hinter ihrer großen, auffälligen Sonnenbrille gar nicht erkennt. "Ich dachte, ich guck nicht richtig, als ich am nächsten Tag in der Bergedorfer Zeitung gelesen habe, welche Berühmtheit ich gefahren habe", sagt Wischnewski, der sich jeden Fahrgast heute Nacht ganz genau anschaut. Man weiß ja schließlich nie.

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