Auszeichnung

Drei Ehrenbürger in spe

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Reinbek (amü). Sie gelten als "politische Urgesteine". Helmut Schomann (76, SPD) und Lothar R. Zug (80, CDU) haben als "Macher von Reinbek" so gut wie jedes Amt innerhalb der kommunalen Selbstverwaltung ausgeübt.

Jetzt sollen der "rote und der schwarze Bruder" gemeinsam eine hohe Auszeichnung erhalten. Für die Sitzung der Stadtverordneten am 15. Januar schlägt die Verwaltung vor, mit den beiden Politikern auch Georges-Arthur Goldschmidt die Ehrenbürgerrechte zu verleihen. "Sie haben sich erheblich um die Stadt verdient gemacht", heißt es in der Begründung.

Schomann ist seit vier Jahrzehnten in Reinbek politisch aktiv und mit Leib und Seele Kommunalpolitiker. Allein zwölf Jahre hatte er das Amt des Bürgervorstehers inne. Heute ist der SPD-Politiker an der Seite von Lothar R. Zug zweiter Bürgervorsteher. Mit seinem langjährigen politischen Kontrahenten verbindet ihn über die Parteigrenzen hinweg eine Freundschaft.

Zug kann auf ebenso viele Jahre in der Stadtverordnetenversammlung zurückblicken und ist derzeit als Bürgervorsteher der Chef der kommunalen Selbstverwaltung.

Mit im Bunde der für die Ehrenbürgerrechte Vorgeschlagenen ist ein gebürtiger Reinbeker, der den Namen der Stadt weit über die Grenzen hinausgetragen hat. Ihn verbinden mit Reinbek auch dunkle Erinnerungen: Georges-Arthur Goldschmidt (80), Sohn einer protestantischen Familie jüdischen Ursprungs, verbrachte an der Kückallee 37 eine Kindheit am Rande des Holocaust und wurde 1939 von seinen Eltern nach Italien geschickt, um ihn vor der Deportation zu retten. Er lebt heute in Paris als französisch-deutscher Schriftsteller, Essayist und Übersetzer und ist ebenfalls für die hohe Auszeichnung vorgesehen.

Goldschmidt hat seine Heimat mehrmals wiedergesehen, zuletzt bei der Einweihung des nach seinem Vater benannten "Dr. Arthur-Goldschmidt-Wegs" im Juni 1995 und 2003 anlässlich seines 70. Geburtstags, erinnert sich Reinbeks Kulturchef Bernd M. Kraske, der mit Goldschmidt in Kontakt steht.

"Seine Lieblingsbeschäftigung, hat Goldschmidt einmal gesagt, sei 'im Garten sitzen und schauen'", zitiert Kraske aus einem Gespräch und fügt hinzu: "Liest man seine Bücher, so kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, als führten ihn alle Gärten in Gedanken zu jenem zurück, in dem er seine Kindheit verbrachte."

Auf die Frage unserer Zeitung: "Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Reinbek, haben Sie Heimweh?" hatte Georges-Arthur Goldschmidt 1992 geantwortet: "Ich hänge auch heute noch an der Reinbeker Landschaft. Hätte ich es gekonnt, wäre ich mein Leben lang in unserem Haus an der Goetheallee/Ecke Kückallee geblieben - ohne je wegzufahren, nicht mal auf Reisen. Aber ich habe kein Heimweh nach Deutschland. Nur nach der Landschaft meiner Kindheit."

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