Märchensiedlung

Sie wollen wieder ruhig schlafen

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Anne Müller

Reinbek. Der Name verspricht ein Idyll. Als die Märchensiedlung vor mehr als 50 Jahren gebaut wurde, mag es das im Westen Reinbeks noch gegeben haben. Doch seitdem hat sich die Region entwickelt. Die Kreisstraße 80 schließt an zwei Autobahnauffahrten. Gewerbe siedelte sich an, brachte Geruch und Lärm mit sich.

"Je nach Windrichtung stinkt es nach Frittenöl, Aromastoffen oder Gummi", sagt Jörg Wischermann (37) dessen Garten an die Kreisstraße grenzt. Aus den Schredderanlagen an der Großkoppel wabert dunkler Staub über die K 80, die mit zunehmendem Verkehrslärm an den Nerven der Reinbeker zerrt. Statt Weihnachtslieder beschallt Verkehrslärm die Wohnzimmer der 28 Häuser an Dornröschen, Rübezahl-, und Schneewittchenweg. "Lärm und Gestank machen uns krank", konstatieren sie und gründeten die Interessengemeinschaft "Dornröschenweg". Ihre Forderung: Lärmschutz an der K 80.

Argumentationshilfe bekamen sie vom aktuellen Lärmaktionsplan. Hinter dem sperrigen Begriff verbergen sich neue Vorgaben der Europäischen Union, die Bürgern künftig mehr Schutz vor Lärm bieten sollen. Die Stadt hat den Straßenlärm gemessen und das bestätigt, was für die Märchensiedler längst Alltag ist. Aus den Lärmkarten wird deutlich, dass die Märchensiedlung mit am stärksten belastet ist und bedenklich in die Nähe der 70 Dezibel (im Durchschnitt) rückt. Soviel Krach machen etwa ein lautes Motorrad und ein Rasenmäher in unmittelbarer Nähe.

Im Aktionsplan empfiehlt die Stadt Geschwindigkeitsüberwachungen und auch Lärmschutz. Leider sei die Politik darauf noch nicht ganz angesprungen, bedauert Bauamtsmitarbeiter Thomas Link. Er hatte einen pragmatischen Vorschlag gemacht: Der Aushub vom Regenrückhaltebecken, das im Frühjahr an der K80 gebaut werden soll, könnte als Fundament für den Schutzwall genutzt werden. Die Initiative Dornröschenweg begrüßt den Vorschlag und Bürgermeister Axel Bärendorf will die Sache vorantreiben. Er trifft sich im Januar mit dem Verkehrsamt des Kreises, das als sogenannter Straßenbaulastträger den Bau genehmigen müsste.

Eine Mitarbeiterin des Fachdienstes möchte dazu vorher keine Auskünfte geben. Grundsätzlich sei der Kreis gesetzlich zu keinem Lärmschutz verpflichtet. Nach der Planfeststellung Anfang der 80er-Jahre für die Straße war das nicht erforderlich. Rechtlich ergebe sich da keine Änderung, auch wenn der Verkehr zunimmt, so die Mitarbeiterin. Es bliebe eine freiwillige Leistung, auf die man sich einigen könnte, die aber auch von der Politik abgesegnet werden müsste.

Ob die Verkehrsbelastung nach dem Anschluss der A 1 an die K 80 zugenommen habe, sei aus den Verkehrszahlen nicht abzulesen. Die aktuellsten stammen aus 2005 an dessen Ende die Auffahrt zur A 1 freigegeben wurde. Vor vier Jahren fuhren pro Tag knapp 23 000 Fahrzeuge allein auf der K 80. Die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung strebe eine neue Zählung an, um Vergleichswerte zu bekommen. Das befürwortet auch Bernd Bohnert (45) von der Initiative: "Die K80 wird inzwischen sogar schon als Mautausweichstrecke in Navigationsgeräten angezeigt."

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