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Märchenhafte Museumsschätze

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Susanne Holz

Reinbek. Es ist schon jetzt ein bisschen wie Weihnachten. Mit funkelnden Augen steht der Gast im Magazin des Museums Rade, schaut und staunt und fühlt sich reich beschenkt. In zahlreichen Holzregalen lagern Schätze aus der ganzen Welt, die im verwinkelten Museum an der Schlossstraße 4 keinen Platz mehr gefunden haben.

Dicht gedrängt stehen Buddha- und Tempelfiguren neben afrikanischen Masken, einer ausgestopften Schildkröte und erotischen Darstellungen aus Bronze oder Holz. Hinzu kommen unzählige Bilder und Grafiken aus anderen Kulturen. "Jedes Objekt hat Rolf Italiaander von seinen Reisen durch die ganze Welt mitgebracht", sagt Schlossherr Bernd Kraske. Das Museum Rade, das von der Italiaander-Stiftung seit 1983 betrieben wird, ist über mehrere Etagen bis in den letzten Winkel mit den Sammlerstücken des Schriftstellers, Forschungsreisenden und Journalisten bestückt. Er hat volkstümliche Kunst aus aller Welt, speziell Masken, Skulpturen und neue Kunst aus Afrika, dem Pazifikraum, Bali, Asien und Lateinamerika mitgebracht. Doch der Platz ist begrenzt.

Das, was die meisten Besucher nicht wissen: Im Magazin lagert beispielsweise eine deutschlandweit einmalige Sammlung äthiopischer Kunst. "Das hat außer uns niemand", weiß Kraske. Neben einigen Masken sind es kunterbunte Bildergeschichten, die auf geschabte Ziegenfelle gemalt worden sind. In einem der ärmsten Länder der Welt, in dem die Zahl der Analphabeten bis heute sehr hoch ist, war es lange Zeit die einzige Möglichkeit, Märchen, Mythen, aber auch gesellschaftliches und politisches Tagesgeschehen weiterzugeben. "Die Künstler sind von Dorf zu Dorf gezogen, haben die Felle gezeigt, dazu gesungen, erzählt oder geschauspielert", erklärt Bernd Kraske. So hatte es sich 1960 auch bis in den letzten Winkel des Landes rumgesprochen, dass der Olympiasieger im Barfußmarathon aus Äthiopien stammte. Die farbenfrohe Bildergeschichte dazu steht noch heute im Museumsmagazin in Reinbek. "Auch eine Ausstellung mit afrikanischer Kunst im bekannten Pariser Museum Louvre ist im Wesentlichen mit Exponaten aus dem Museum Rade bestückt", erzählt Kraske.

Er ist davon überzeugt, dass gegenständliche Kunst nie an Wert verliert. Selbst in Zeiten, in denen viele Menschen selbst die Welt bereisen, im Fernsehen oder Internet fremde Kulturen kennenlernen können, fasziniere sie eine Ausstellung mit Kunst- und Alltagsgegenständen aus aller Welt. "Die Menschen wollen nicht nur schauen, sondern anfassen, fühlen, ein sinnliches Erlebnis haben", sagt der Kunstexperte. So sei es viel leichter, einen Zugang zu anderen Kulturen zu bekommen.

Das, was im Reinbeker Museum gezeigt und im Magazin aufbewahrt wird, habe zudem nichts damit zu tun, was man mittlerweile an jedem Flughafen auf die Schnelle kaufen könne. Rolf Italiaander begann bereits in den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts Alltagsgegenstände oder Kunst zu kaufen. Keine industriell gefertigte Massenware, sondern Einzelstücke, die von heimischen Künstlern und Handwerkern gefertigt wurden. Der Betrachter kann sich schnell vorstellen, wie Menschen aus fernen Ländern im Schatten eines Baumes oder einer schummerigen Werkstatt gesessen haben, um Holz zu Masken zu verarbeiten oder Bronze zu Figuren zu gießen. "Ich erlebe mittlerweile wieder eine Rückbesinnung auf die klassischen Unterhaltungsformen wie Ausstellungen oder Theater", erklärt Kraske. Der Zuschauer genieße es, bestimmte Kunstwerke oder Bühnenstücke nur in diesem Moment erleben zu können und nicht immer und immer wieder auf DVD oder per Mausklick im Internet. Eine Besonderheit, die bei vielen beim Anblick einer Buddha-Figur die Augen glänzen lässt. Fast ein bisschen wie Weihnachten.

* Das Museum Rade, Schlossstraße 4, ist mittwochs bis sonntags, 10 bis 17 Uhr, geöffnet - auch an Feiertagen.

Morgen öffnen wir ein Türchen auf der Wentorf-Seite.

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