Schuldnerberatung

Praktische Lebensplanung auf dem Stundenplan

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Reinbek (amü). Noch ist es ein Spiel: Tobias Pagels (17) greift zur Fernsehkarte. "Groß, Flachbildschirm, Stereosound, 48 Raten zu 50 Euro", steht darauf. "Einen Fernseher brauche ich", sagt er.

Seine Mitschülerin Katharina Fürböter (15) könnte darauf verzichten, nicht aber auf die Kosmetik für 25 Euro. Beide richten sich gerade eine Wohnung ein, natürlich nur auf dem Papier, denn noch sind sie Realschüler. Dass das Thema Finanzen auf dem Stundenplan steht, verdanken sie der Schuldnerberatung Glinde.

Mit einem Koffer voller Karten sind Leiterin Monique Hoenig (41) und Kerstin Dlugi (44) ins Schulzentrum Mühlenredder gekommen. Das Lernziel heißt: Schulden vermeiden. Ganz praktisch erfahren die Jugendlichen, welche Kosten auf sie zukommen, wenn sie ihr Leben selbstständig organisieren müssen. Das Planspiel hat eine Beratungsstelle in Schleswig-Holstein entwickelt.

Tobias und Katharina haben das Nettogehalt eines Gabelstaplers zur Verfügung: 921 Euro. Davon wollen sie monatlich unter anderem Handy (30 Euro), Kleidung (50 Euro), Lebensmittel 120 Euro und eine kleine Wohnung (200 Euro) finanzieren. "Ihr habt ja gar keinen Computer. Ihr lebt ja hinterm Mond", wirft eine Mitschülerin ein.

"Der Verzicht auf einen Computer ist ungewöhnlich", sagt Hoenig. Seit einem Jahr besucht sie Schulen und hat Erfahrungen, zu welchen Karten die Schüler zuerst greifen: Computer und Handy stehen ganz oben auf der Anschaffungsliste. Lebensversicherungen oder Zeitungsabos sind am wenigsten gefragt.

Im realen Leben möchte sich Tobias als erstes ein Auto kaufen und einen Führerschein machen. Dafür jobbt er seit den Sommerferien zwölf Stunden pro Woche als Aushilfe in einem Supermarkt. Zu den 250 Euro, die er damit verdient, kommen 30 Euro Taschengeld. Als Zimmermann möchte er irgendwann 1500 Euro im Monat verdienen. Mit weniger rechnet Katharina: 800 Euro netto möchte sie als künftige Restaurantfachkraft verdienen.

Nach der Unterrichtsstunde hat sie zumindest einen Eindruck, was sie sich damit leisten könnte. "Unser Auftrag ist es, nicht nur Menschen den Weg aus den Schulden zu weisen, sondern auch präventiv zu wirken", sagt Hoenig.

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