Tradition

Reservisten setzen seit 43 Jahren auf Gemeinschaft

Eingemummelt in dicke Wintermäntel, Schal und Mütze, werden die Besucher am 6. Dezember über den Weihnachtsmarkt am Schloss schlendern. Die Mitglieder der Reservistenkameradschaft Reinbek indes werden einen wetterfesten Feldanzug tragen, sich unter die Gäste mischen und Koteletts in Kompaniestärke grillen.

"Das ist Tradition, wir sind von Anfang an seit 30 Jahren dabei", sagt Horst Bloch, Vorsitzender der Reservistengemeinschaft Reinbek.

Der Verband, den es seit 1965 in Reinbek gibt, ist ein Zusammenschluss von ehemaligen Soldaten, die freiwillig in der Bundeswehr gedient oder als Wehrpflichtige ihren Dienst abgeleistet haben. Hinzu kommen fördernde Mitglieder, die die Arbeit unterstützen. Bundesweit hat der Reservistenverband an die 130 000 Mitglieder.

Horst Bloch (71), Stabsfeldwebel der Reserve, ist seit 1971 in der Reservistenkameradschaft, war bei der Bundeswehr im Fernmeldewesen beschäftigt. Seinen militärischen Dienst absolvierte er in Hamburg, Neumünster, Ahrweiler und Sonthofen. Insgesamt zwölf Jahre war die Bundeswehr sein Arbeitgeber. "Meine Frau war oft allein mit den Kindern. Aber wir haben das hingekriegt", sagt der Reinbeker, der seine Frau vor 48 Jahren in Uniform heiratete. "Es waren andere Zeiten."

Die öffentlichen Auftritte der Reservisten werden heutzutage unterschiedlich aufgenommen. Kauzig finden es einige, dass sich Menschen in ihrer Freizeit der Bundeswehr verschrieben haben, andere beschimpfen sie gar als Mörder. "Viele kommen aber auch zu uns, erzählen von ihren eigenen Erlebnissen, finden es toll, was wir alles auf die Beine stellen", sagt Reinhard Soenke. Der 68-Jährige ging als ausgelernter Maschinenschlosser zur Bundeswehr, arbeitete bei der Luftwaffe. Obwohl er bereits verheiratet war und Kinder hatte, verpflichtete er sich Anfang der 1960er-Jahre mehrere Jahre bei der Bundeswehr, ging sogar für sechs Monate für eine Fortbildung in die USA. Später arbeitete er 34 Jahre für die Stadt Hamburg als Erzieher.

Sein Grund, die Bundeswehr als Arbeitgeber zu wählen: "Wer was machen wollte, wurde gefördert. Da konnte man was werden." Das war auch für Holger Strehler (66) und den Tischler Horst Dahlke (70) ausschlaggebend, länger zu dienen. "Zudem wird Kameradschaft und Gemeinschaft in der Bundeswehr groß geschrieben. Das ist bei uns Reservisten heute noch so", sagt Strehler, der nach seinem Wehrdienst als technischer Angestellter bei der Hansestadt Hamburg arbeitete.

Obwohl 40 Prozent der Mitglieder bundesweit zwischen 20 und 40 Jahre alt sind, lässt der Nachwuchs in Reinbek auf sich warten. Dabei werde doch so viel geboten, betonen die Vorstandsmitglieder. Jeden Montag treffen sich die Kameraden zum Sport (Volleyball, 18 Uhr in der Sporthalle des Schulzentrums, Mühlenredder 30) danach ab 20 Uhr zum klönen und diskutieren im Verbandsheim, Mühlenweg 2 a. Hinzu kommen sportliche Wettkämpfe, Seminare und Workshops zu sicherheitspolitischen Themen. Die Reservisten pflegen Kontakte zu Soldaten in anderen Ländern, empfangen Gäste aus aller Welt in Reinbek. Dass sie das auch künftig tun können, wünscht sich Horst Bloch und hofft auf neue Mitglieder.