Sekt zu edlen Schnäppchen

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Sie schleppen bestens gelaunt Tüten nach Hause, deren Inhalt exklusiv, aber trotzdem preiswert ist: Eine Wohltorferin hat endlich die passenden derben Stiefel und einen Lederrucksack gefunden, eine Escheburgerin den warmen Norwegerpulli, die richtige Designer-Handtasche hat eine Reinbekerin unter einem Berg Klamotten entdeckt und über eine Kaschmir-Stola mit Fransen und ein edles Holzbesteck freut sich eine Börnsenerin.

. Alle Frauen haben eines gemeinsam: Sie sind erfolgreiche Schnäppchenjägerinnen bei einem der exklusivsten Frauenflohmärkte der Region, dem Ladies Night Basar im Wohltorfer Gemeindehaus am Kirchberg.

Dort haben sie nicht nur eingekauft, sondern auch Sekt getrunken, dabei aufgekratzt über Mode gefachsimpelt oder unentschlossene Käuferinnen beim Einkauf an einem der 22 Stände beraten. Proppenvoll war es jetzt beim zehnten "Verkaufsfest" der Organisatorinnen Marion Kock, Leiterin des Evangelischen Kindergartens Alter Knick, und ihrer Mitarbeiterin Sabine Hintz, die mit dem Erlös durch die Standgebühr (15 Euro) und den Getränkeverkauf Projekte ihres Kindergartens finanzieren.

An den Ständen war Donnerstagabend fast kein Durchkommen mehr. Seit fünf Jahren, "immerhin schon ein kleines Jubiläum", so Kock, "rennen uns Frauen jeden Alters begeistert die Bude ein, wenn wieder zum Shoppen geladen wird. Und das Angebot an Kleidung, Accessoires und edlem Hausrat oder Romanen ist riesig, das Konzept mit Produkten gehobenen Stils überzeugt. "Unsere Verkaufsstände sind immer sofort vergriffen, es hat sich herumgesprochen, dass Privathändlerinnen hier prima Umsätze mit gut erhaltener Second-Hand-Mode erzielen."

An Stammkundinnen mangele es nicht. Und Hintz, die ein Faible für teure Ledertaschen hat, fügt hinzu: "Vieles im Angebot sind Fehlkäufe, die in Kleiderschränken lagerten, oder die bisherige Größe passt nicht mehr." Auch sie selbst erliegt häufig den textilen Versuchungen, hat heute die sechste Tasche gekauft, während Kollegin Marion Kock gerne ihrer Schwäche für Schals und Tücher nachgegeben hat.

2004 starteten die beiden ihr Projekt, "eine Nacht von Frauen für Frauen" zu zelebrieren. Sabine Hintz kannte die Idee aus Saudi-Arabien, wo sie sieben Jahre lang lebte. "Die deutsche Botschafterin hat dort eine Nacht für Frauen veranstaltet, um eine zu Unrecht Inhaftierte aus dem Gefängnis freizukaufen. Frauen waren damals froh, wenn sie unter sich waren, Kontakt zu anderen Geschlechtsgenossinnen hatten. Viele lebten sonst sehr isoliert."

Nach Meinung der Veranstalterinnen gibt es seit Jahren kaum eine Besucherin, "die ohne Tüte den Gemeindesaal verlassen hat", nicht mit fremden Frauen spontan ins Gespräch gekommen sei. Irmhild Schröder aus Aumühle, die von Beginn an beim Ladies Night Basar ein- und verkauft, ist leidenschaftlicher Flohmarkt-Fan.

Übrigens: Auch Männer wurden schon gesichtet - allerdings immer in Begleitung ihrer Frauen und als Tütenträger missbraucht!

( (hdt) )

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