Zauber mit Handicap

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Sie sind "ein wilder Haufen unterschiedlichster Menschen, die man nicht über einen Kamm scheren kann." So beschreibt die Regisseurin Christiane Richers ihre Theatergruppe "Das Wilde Land", die aus 35 behinderten Schauspielern besteht.

. Am 20. November zeigt das Ensemble seine neue Produktion "Sommer .Nacht.Traum", eine Adaption von Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" in Reinbek.

Mit dieser mittlerweile fünften Inszenierung habe sie sich das erste Mal in sehr schwieriges Terrain getraut, erklärt Richers. Die studierte Gymnasiallehrerin für Deutsch, Geschichte und Politik leitet "Das Wilde Land" in Bad Segeberg seit zwölf Jahren. Es ist ein Kooperationsprojekt der Jugendbildungsstätte "Mühle", der Segeberger Wohn- und Werkstätten für Behinderte und der Trave-Schule, einem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Das Alter der Mimen reicht von 14 bis 45, sie sind geistig, körperlich oder psychisch eingeschränkt. "Es sind kluge, vielseitige und begabte Menschen", sagt Richers. Die Verschiedenheiten der einzelnen Charaktere inspiriert sie. Sie setzt für jedes ihrer Stücke einen anderen Schwerpunkt, um diese gezielt herauszuarbeiten. Auf Wunsch ihrer Schauspieler wählte sie dieses Mal "Ein Sommernachtstraum", ein Stück mit schwierigem Text und verworrener Handlung: Hermia liebt Lysander, soll aber Demetrius heiraten. Helena liebt wiederum Demetrius. Der Elf Puck verzaubert die Elfenkönigin Titania, sodass sie sich in den Handwerker Zettel verliebt. Dessen Kopf hatte Puck zuvor in den eines Esels verwandelt. Aufgrund einer Verwechslung sind Demetrius und Lysander derweil derart verzaubert worden, dass sie nun beide Helena lieben. Hermia fühlt sich hintergangen. Und Elfenkönig Oberon muss das Wirrwarr, das Puck angerichtet hat, wieder zurecht rücken.

Für einige Schauspieler von "Das Wilde Land" war es mühsam, den Text auswendig zu lernen. Doch durch ihre Professionalität schaffte es die Gruppe schließlich, das Stück bühnenreif zu bekommen.

Als Besonderheit empfindet Richers die Raumnutzung der Theatergruppe. Die Handlung finde nicht nur auf der Bühne statt, sondern auch im Zuschauerraum. Dadurch, dass die Schauspieler sich ungehemmt durch den Saal bewegen, entstehe eine Nähe zwischen Handlung und Publikum, die das "Guckloch-Verhalten" der Zuschauer durchbreche - das Publikum fühle sich "mittendrin".

Richers macht immer wieder die Erfahrung, dass ihre Schauspieler "auf der Bühne mehr können als im wirklichen Leben", sie haben Mut, sich als Persönlichkeit zu präsentieren. "Viele Zuschauer kommen nach den Vorstellungen zu mir und sagen, 'das hätte ich nicht von denen gedacht'", erklärt die Intendantin. Das Theater mit Behinderten sei ein stetiges Brechen mit Gewohnheiten und Vorurteilen der Menschen.

Am Donnerstag, 20. November, 16 Uhr spielt "Das Wilde Land" die Verwechslungs-Komödie "Sommer.Nacht.Traum" im Sachsenwald-Forum (Hamburger Straße 8). Der Eintritt kostet 15 Euro. Karten gibt es unter (040) 72 73 69 20.

"Es sind kluge, vielseitige und begabte Menschen."

Christiane Richers, Regisseurin

( (hs) )

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