Tagespflege geht wieder an den Start

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Voigt

Das Projekt Hospiz in der Sozialstation am Völckers Park wird jetzt erst einmal auf Eis gelegt.

. Für eine Überraschung sorgte die Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit (SVS) am Dienstagabend im Sozialausschuss. "Wir wollen das Angebot der Tagespflege im Manfred E. Poppe-Haus wieder aufnehmen", erklärte die stellvertretende SVS-Vorsitzende Marianne Poppe den verdutzten Ausschussmitgliedern.

Erst im Frühjahr hatte die SVS die Tagespflege in dem Haus am Völckers Park 8 eingestellt, weil sie nicht rentabel war. Nach anfänglichen Überlegungen, das jährlich 70 000 Euro teure Gebäude zu verlassen und komplett an die Stadt zurückzugeben, verständigten sich die Partner im April darauf, die Einrichtung der SVS-Sozialstation mit ambulanter Pflege, Essen auf Rädern und Seniorenmittagstisch an dem verkehrsgünstigen Standort zu halten. Als Unterstützung für die Gebäudekosten, die mangels Einnahmen für Tagespflege nicht mehr zu halten waren, gewährte die Stadt der SVS für das Jahr 2008 einen Zuschuss von 20 000 Euro, dessen Bewilligung für 2009 noch aussteht.

In den folgenden Monaten versuchten Stadtverwaltung und SVS, ein Konzept für die Nutzung der frei gewordenen Tagespflege-Räume zu finden. Geprüft wurde neben der Realisierung eines Familienzentrums auch die Einrichtung eines Kultur-Cafés. Beides ließ sich aber nicht verwirklichen. Zudem wäre der Ausbau zu einem Familienzentrum mit erheblichen Umbaukosten verbunden gewesen.

Zuletzt wurde die Gründung eines Hospizes favorisiert, wofür sich das Gebäude nicht nur wegen seiner Nähe zum Krankenhaus St. Adolf-Stift eignen würde. Entsprechend lag dem Sozialausschuss am Dienstag eine Informationsvorlage des Amtes für Bildung, Jugend und Soziales vor, in der diese Lösung vorgeschlagen wurde. "Wir haben aber für ein Hospiz keinen Partner gefunden", schilderte jetzt Gert Willner, der wie Poppe stellvertretender SVS-Vorsitzender ist, dem Gremium. Das St. Adolf-Stift hätte frühestens für das Jahr 2013 Interesse signalisiert. Zudem zeigen nach Willners Worten die Erfahrungen zweier verhältnismäßig neuer Hospiz-Einrichtungen in Hamburg-Volksdorf und in Geesthacht, dass die Nachfrage und die Auslastungen dort deutlich geringer seien als erwartet. Das Projekt Hospiz liegt damit erst einmal auf Eis.

"Dagegen haben sich die Rahmenbedingungen für die Tagespflege inzwischen deutlich verbessert", ergänzte Marianne Poppe. Zum einen seien die Krankenkassensätze für Tagespflegeleistungen erhöht worden, so dass der Eigenanteil der Patienten geringer ausfällt. Zum anderen sei es bei einer geringen Zahl von Plätzen nicht mehr erforderlich, eine Pflegedienstleitung zu beschäftigen. Zudem gebe es neuerdings die von den Kassen finanzierte Leistung der "Verhinderungspflege" von vier Wochen pro Jahr für Patienten, die sonst von einem Angehörigen gepflegt werden. Auch dies will die SVS im Völckers Park anbieten und hat einen ständigen Bedarf von sechs bis sieben Tagespflegeplätzen errechnet.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband, so Marianne Poppe, habe das neue Konzept als tragfähig eingestuft. Für den Neustart mit einkalkuliert ist aber ein weiterer 20 000-Euro-Zuschuss der Stadt im Jahr 2009 für die Raumkosten. Der Ausschussvorsitzende Tomas Unglaube (SPD) schlug spontan vor, dem zuzustimmen. Für die CDU-Fraktion jedoch bat Marc-Oliver Potzahr um einige Tage Bedenk- und Beratungszeit.

"Wir haben für ein Hospiz keinen Partner gefunden."

Gert Willner, SVS

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek