Zugangskontrolle

Glinder Firma will Windräder besser sichern

Dominik Eisenbeis von Timm Elektronik in Glinde mit einem neuen Zugangssystem für Windkraftanlagen.

Dominik Eisenbeis von Timm Elektronik in Glinde mit einem neuen Zugangssystem für Windkraftanlagen.

Foto: Timo Jann

Glinde. Diebstähle, Einbrüche abenteuersuchender Basejumper - Eine Glinder Firma weiß, wie Windräder gesichert werden können.

Glinde/Wangelau.  Die Firma H. Timm Elektronik GmbH an der Humboldtstraße hat ein neues Zugangssicherungssystem für Windkraftanlagen entwickelt. Es könnte die Branche revolutionieren, die Technik und die Werte der Windräder in Zukunft deutlich besser sichern. Das Windrad 83461 an der Bundesstraße 209 bei Wangelau wurde jetzt mit einem ersten Prototyp in der Tür ausgestattet.

Mit Hilfe finanzieller Förderung durch das Land Schleswig-Holstein im Bereich Erneuerbare Energien entwickeln die Glinder Techniker das Produkt seit eineinhalb Jahren. Über drei Jahre erhalten sie aus Kiel einen Zuschuss in Höhe von 320.000 Euro.

„Windkraftanlagen derzeit nur unzureichend gesichert“

„Heute sind Windkraftanlagen nur unzureichend durch normale Schließzylinder gesichert. Nicht nur die Verwaltung der ganzen Schlüssel ist oft schwierig, man hat auch keinen Überblick, wer sich Zutritt verschafft. Dabei stehen die Betreiber in der Pflicht, für Sicherheit zu sorgen“, berichtet Dominik Eisenbeis, Spartenleiter Erneuerbare Energien bei Timm Elektronik.

Vor diesem Hintergrund machten sich die Entwickler der Firma an die Arbeit. Seit Oktober wurde an dem Prototyp getüftelt.

Mit dem Betreiber des Windparks bei Wangelau, der Firma WPD aus Bremen, fand man ganz in der Nähe einen Partner für das Projekt. WPD hat in ganz Deutschland fast 2500 Anlagen stehen – ein gewaltiges Schlüssel-Management, bei dem es gilt, Millionenwerte zu sichern.

Mit Fallschirm von Windrad gesprungen

Bei Timm Elektronik wurde eine Steuerung für eine elektronische Schließanlage entwickelt. Sie ist onlinebasiert und mit der WPD-Leit-stelle in Bremen gekoppelt. Gewöhnlich melden sich beispielsweise die Servicetechniker direkt an der Anlage telefonisch in der Leitstelle an. „Die Leitstelle kann dann die Anlage bei Bedarf stoppen und über unser System künftig die Tür für die Techniker öffnen. Ein Schlüssel ist nicht nötig“, erklärt Eisenbeis.

Er weiß von unbefugten Zugängen, wo beispielsweise Basejumper mit Fallschirmen von Windrädern gesprungen sind. Oder Techniker haben bei Offshoreanlagen nach zwei Stunden Bootsfahrt erst an der Anlage festgestellt, dass sie den falschen Schlüssel dabei hatten. Eisenbeis: „Alle reden immer von Digitalisierung, hier haben wir ein wirklich sinnvolles, praktisches Beispiel entwickelt.“

Leitstelle hat jederzeit einen Überblick

Die Leitstelle des Betreibers hat so aus der Ferne jederzeit einen Überblick, wer sich in der Anlage befindet, und kann kontrollieren, dass hinterher die Tür wieder verriegelt ist. „Wir arbeiten in einem nächsten Schritt auch an einem personalisierten PIN-Code für Zugangskarten. Die ließen sich dann sperren, wenn die Berechtigung abgelaufen ist“, erklärt Eisenbeis. Er geht davon aus, dass sich das Produkt durchsetzen wird. „Man käme so komplett weg von Schlüsseln“, sagt er.

Eisenbeis geht davon aus, dass die neue Technik im nächsten Jahr serienreif sein wird. Was die Technik kosten werde, sei noch unklar.