Mahnwache

„So etwas darf nie wieder passieren“

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Kerstin Völling
Celine Harder (li.) und Joepha Kujawa (beide 17) waren extra aus Tostedt gekommen, um bei der Mahnwache vor dem jetzt geschlossenen rechten Modegeschäft dabei zu sein.

Celine Harder (li.) und Joepha Kujawa (beide 17) waren extra aus Tostedt gekommen, um bei der Mahnwache vor dem jetzt geschlossenen rechten Modegeschäft dabei zu sein.

Foto: Kerstin Völling / BGZ

Glinde. Vor dem offenbar geschlossenen „Tønsberg“-Laden gedachte die Bürgerinitiative gegen Rechts den Opfern von Auschwitz.

Glinde.  Einer unter den rund 30 Menschen, die am Sonnabend an der Mahnwache teilnahmen, war Karl-Heinz Lapp. „Ich bin Jahrgang 1931, habe die ganze Grausamkeit des Nazi-Regimes miterlebt“, sagte er mit Tränen in den Augen: „Ich kann nicht verstehen, wie man dieses Gedankengut wieder hoffähig machen kann.“

Hans-Jürgen Preuß, Sprecher der Bürgerinitiative gegen Rechts, achtete darauf, dass in der Freude über die offensichtliche Räumung des rechten Modeladens „Tønsberg“ (wir berichteten), nicht das Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz unterging. Denn deswegen hatte seine Initiative schon vor Wochen zur Mahnwache aufgerufen.

Reiner Hohn: der Name „Tønsberg“

Hunderte Insassen des Internierungslagers in der norwegischen Stadt Tønsberg wurden von 1942 bis 1945 von den deutschen Besatzern terrorisiert, misshandelt und schließlich nach Auschwitz deportiert. „Darunter waren auch Juden, die schon vor den Nazis aus Deutschland geflohen waren“, erklärte Preuß. Das zeige doch, mit welch „schäbiger Rücksichtslosigkeit“ und „Empfindungslosigkeit“ die Betreiber des Klamotten-Ladens die Opfer und ihre Angehörigen verhöhnten, wenn sie ein Modegeschäft „Tønsberg“ nennen würden. „Wir sind es den Opfern schuldig, die Nazi-Verbrechen niemals zu vergessen und wachsam zu bleiben, damit so etwas nie wieder passiert“, ergänzte Preuß.

Wolf Tank (Grüne), der stellvertretend für das Parteienbündnis zur Mahnwache gekommen war, fasste es kurz und bündig zusammen: „Dieser Tag ist ein schöner Tag: Die Sonne scheint und der Sch...-Laden ist weg!“

Laut Handwerkern ist der Laden geräumt

Das Modegeschäft am Glinder Berg hatte sich hartnäckig gehalten. Trotz im Juli 2016 abgelaufenen Mietvertrags und Räumungsklage verkauften die Angestellten des rechtslastigen Bekleidungsgeschäfts bis Donnerstagnachmittag unverdrossen ihre tendenziöse Mode. Nun, so scheint es, hat der Spuk endgültig ein Ende.

„Ich bin Donnerstag zum Laden gefahren und habe zufällig einen Handwerker getroffen“, erzählte ein Mitglied der Initiative, das aus Angst vor rechten Anfeindungen anonym bleiben möchte: „Der Handwerker bestätigte mir, dass der Laden geräumt werde.“ Im Schaufenster hätten sich schon Paletten und im Innern Kisten gestapelt.

Solidarität aus Tostedt

„Seit zwei Tagen macht der Laden nicht mehr auf. So lange war er unter der Woche noch nie geschlossen“, sagt Preuß: „Wir deuten das als endgültiges Aus.“ Ob die Ladenbetreiber die Schlüssel bereits abgegeben haben, wisse man nicht. Preuß: „Weder die Vermieter noch deren Anwalt wollen uns darüber Auskunft geben.“

Celine Harder und Josepha Kujawa, mit 17 Jahren die jüngsten Gäste, waren extra aus Tostedt angereist. „Als wir im Internet gesehen haben, dass heute hier eine Mahnwache angesagt ist, mussten wir schon aus Solidarität herkommen“, erklärte Josepha. Als „Tønsberg“ am Glinder Berg eröffnete, waren sie gerade zwölf Jahre alt. „Wir haben ähnliche Probleme mit einem Klamottenladen bei uns in Tostedt gehabt“, sagten beide.

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