Protest gegen Rechts

Tønsberg verlässt die Stadt, Glinde bleibt bunt

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Susanne Tamm
Zum dritten Jahrestag der Mahnwache gegen den rechten Modeladen demonstrierte 2014 die halbe Stadt gegen Rechts.

Zum dritten Jahrestag der Mahnwache gegen den rechten Modeladen demonstrierte 2014 die halbe Stadt gegen Rechts.

Foto: Imke Kuhlmann

Glinde. Der Mietvertrag wurde von keiner Seite verlängert. Falls der Mieter nicht weichen will, bereitet der Vermieter eine Klage vor.

Glinde.  An diesem Sonntag läuft der Mietvertrag zwischen der Bestmarke Textil GmbH, Thomas Polandt, und der Grundstücksverwaltung Jürgen Herbst aus (wir berichteten). Fünf Jahre lang hielt die Bürgerinitiative (BI) Glinde gegen Rechts jeden Werktag bei jedem Wetter eine Mahnwache vor dem rechten Modeladen Tønsberg am Glinder Berg. Erklärtes Ziel: „Der Laden muss weg!“Aber gibt es für die BI nun einen Grund zum Feiern?

Die dort verkaufte Marke Thor Steinar gilt als ein Erkennungsmerkmal der rechtsextremen und neonazistischen Szene. Thor-Steinar-Kleidung ist daher unter anderem im Deutschen Bundestag, im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, im Landtag von Sachsen sowie in zahlreichen Fußballstadien verboten.

Übergabe ist noch nicht vereinbart

Jetzt scheint das Ziel der BI zum Greifen nahe. Im Vertrag gab es eine Klausel, nach der der Mieter das Mietverhältnis für zweimal vier Jahre verlängern darf. Ob diese Klausel zum Tragen kommt, hatten bisher weder Mieter noch Vermieter mitteilen wollen. Gestern meldete sich nun die Vermieterin in der Redaktion: Man möge sich an ihren Anwalt Christian Verstege wenden. Der gab bereitwillig Auskunft: „Der Vertrag endet am 31. Juli. Keine Seite hat ihn verlängert“, berichtete er. „Ich versuche seit Längerem, einen Rückgabetermin zu vereinbaren, bislang ist der noch nicht zustande gekommen.“

Für den Fall, dass der Mieter sich nicht bewege, bereite er eine neue Räumungsklage vor. Die habe diesmal gute Aussicht auf Erfolg. Verstege: „Doch es wäre schön, wenn die noch vorher ausziehen.“

2012 wurde eine erste Klage abgewiesen

2012 hatte das Landgericht Lübeck die erste Räumungsklage abgewiesen. Begründung: Der Vermieter habe nicht beweisen können, dass er bei Vertragsabschluss arglistig getäuscht worden sei.

Die umstrittene Marke Thor Steinar sei ausdrücklich erwähnt worden, so der Mieter. Auch dass es zu Demon-strationen und Tumulten vor dem Laden kommen könnte. Dieser Hinweis habe im ausgehändigten Vertragsentwurf gefehlt, sagte hingegen der Vermieter. Der Entwurf aber blieb verschwunden.

Während unter den Telefonnummern, die für die Bestmarke Textil GmbH im Internet zu finden sind, niemand zu erreichen ist, stößt man auf die MediaTex GmbH, wenn man nach dem Tønsberg-Laden sucht – und zwar unter www.thorsteinar.de. Der Mitarbeiter am Telefon sagt, man gebe keine Presseauskünfte und bittet um eine E-Mail. Die bleibt jedoch bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Initiative lädt zum „Bunten Dinner“

Die BI lässt indes nicht nach: Auch gestern mahnte sie vor dem Laden. Für diesen Sonnabend lädt sie von 13 bis 15 Uhr zum „Bunten Dinner“ direkt vor dem „unseligen Tønsberg-Laden“. Die Anhänger wollen ein buntes Zeichen für Vielfalt und Menschlichkeit setzen. Jeder möge Tische und Stühle, dazu bunte Decken, Speisen und Getränke mitbringen. Glindes VHS-Gitarrengruppe ist auch dabei, wenn die Stadt Vielfalt zeigt.

Tatsächlich hat die BI eine regelrechte Bewegung gegen Rechtsextremismus in Glinde angestoßen. Es fanden sich weitere Gruppierungen zusammen, wie etwa das Aktionsbündnis Mut und Toleranz, dessen Sprecher Jürgen Neff ist. Außerdem die jüngst von Ministerpräsident Torsten Albig ausgezeichnete Flüchtlingshilfe, die Flüchtlinge in der Stadt unterstützt.

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