"Eine Riesenchance für Glinde"

Von Susanne Tamm

Glinde.
Für die Stadt ist es ein Riesenprojekt mit großen Folgen - ob positiv oder negativ, darüber scheiden sich momentan noch die Geister. Denn an dem Wellness-Resort auf dem "Golf Gut Glinde" - von Jens Lessau und Siegfried Reddel geplant - hat die SPD im jüngsten Bauausschuss plötzlich Zweifel angemeldet (wir berichteten). Kritikpunkte sind vor allem der Umfang, mit 127 Hotelzimmern samt Wellness-Anlage und Restaurant auf 10 000 Quadratmetern Grundfläche, der Verkehrsfluss mit 3000 Fahrzeugen pro Tag sowie die Zerstörung der Landschaft. Kippt nun das ganze Vorhaben?

Der Bauausschuss will am 10. September seine Beratungen fortsetzen. Deshalb wirbt nun die CDU noch einmal nachdrücklich für das Projekt. Die Investoren wollen sich hingegen aus der politischen Diskussion heraushalten.

"Für Glinde wäre das eine einzigartige Chance", mahnt Fraktionschef Dr. Rainer Neumann. "Es wäre skandalös, sie zu verpassen." Er weist daraufhin, dass der Bau des Hotels seit 2011 genehmigt ist. "Es geht jetzt nur noch um eine Änderung des B-Plans", betont der Politiker. Es ändere sich allein die Bauweise, nicht aber der Umfang der Bebauung. "Deshalb können wir die plötzlichen Bedenken nicht nachvollziehen." Die Architektur solle dem maurisch-orientalischen Stil des Vorbildes "Mediterana" in Bensberg nahe Köln angeglichen werden. Das Unternehmen hatte Siegfried Reddel 13 Jahre mit Erfolg geführt, bis es vor einem Jahr zum Streit zwischen ihm und seinem Geschäftspartner kam, der vor Gericht mit einem Vergleich endete.

Die Vorteile für Glinde lägen auf der Hand, so Neumann: "Die Anlage in Bergisch Gladbach sorgt jährlich für ein Gewerbesteueraufkommen von bis zu 700 000 Euro. Das kann man sicher nicht 1:1 auf Glinde übertragen. Wir gehen aber von Steuereinnahmen im sechsstelligen Bereich aus und

die Investoren werben mit circa 200 neuen Arbeitsplätzen im gehobenen Gastronomie-Bereich." Dabei soll das Fünf-Sterne-Resort den Glinder Hotels keine Konkurrenz machen.

"Siegfried Reddel will immerhin etwa 50 Millionen Euro in das Projekt investieren", unterstreicht Neumann. "Das wird für das Handwerk in unserer Region positive Auswirkungen haben." Die CDU geht davon aus, dass die Investoren vor allem Firmen der Umgebung beschäftigen werden.

Die Preise für die Wellness-Anlage "Mediterana" liegen zwischen 24 Euro für zwei Stunden und 42 Euro für eine Tageskarte. "Das ist zwar teurer als für andere Saunen in unserer Gegend, aber es gibt auch im gesamten Norden nichts Vergleichbares", sagt der Fraktionschef. "Die Anlage würde Glindes Attraktivität enorm steigern." CDU-Sprecher Bernd Hengst fügt hinzu: "Man stelle sich vor, Olympia kommt 2024 nach Hamburg: Sieben Jahre vorher soll das Hotel fertig werden."

Auch für den An- und Abfahrtsverkehr habe es für das genehmigte Vorhaben bereits ein Gutachten gegeben, erklärt Neumann. Die Prognosen seien nicht signifikant angestiegen. "Außerdem muss man bei einem Golfplatz bedenken, dass sich der Verkehr über den Tag verteilt." Was die Landschaftszerstörung angehe, hätten sowohl der BUND als auch der Nabu die baulichen Veränderungen positiv bewertet. "Nicht zuletzt hat Jens Lessau, Eigentümer des Geländes und des 'Golf Gutes Glinde', die Stadt bisher noch nie enttäuscht."