Glinde

Mit Kunstgriff Kunstrasen finanziert

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Susanne Tamm

Haushaltstrick: Stadt streckt fehlende 28 000 Euro aus Jahreszuschüssen für 2016 und 2017 vor

Die Fußballer des TSV haben sich richtig ins Zeug gelegt, um den Eigenanteil des Vereins am Kunstrasenplatz aufzubringen. Im vergangenen Jahr jagte eine Benefiz-Aktion die nächste. Doch es half alles nichts, am Ende fehlten noch 45 000 Euro.

"Das ist eine Investition in die Zukunft", appellierte Joachim Lehmann, Vorsitzender und Geschäftsführer des TSV, an die Politiker von Finanz- und Kulturausschuss. "Sie wissen selbst, wie Glinde wächst." Die Politiker rangen in einer gemeinsamen Sitzung um die Antwort auf die Frage, ob der TSV diese Summe selbst wuppen könnte oder ob er einen zusätzlichen Zuschuss zu den bisherigen 200 000 Euro von der Stadt braucht.

Die gute Nachricht war, dass die Kosten durch die Ausschreibung noch einmal um 27 000 Euro auf insgesamt 583 000 Euro gesunken sind. Platz-Drainage und Kunstrasenbelag sollen damit ebenso finanziert werden wie neuer Lärmschutz.

Allein der Zeitpunkt für eine Erhöhung des Zuschusses war denkbar ungünstig. Die Politiker haben die vergangenen Wochen damit zugebracht, Möglichkeiten zu finden, wo der Rotstift angesetzt werden kann. "Wir haben keinen Spielraum mehr", erklärte Bürgermeister Rainhard Zug. "Alle mussten sich einschränken: Schulen, Kitas und Vereine." Nächste Woche sollen die Stadtvertreter den Etat 2015 absegnen. Das Zahlengeflecht jetzt neu anzufassen, hätte eine pünktliche Verabschiedung es Hauhalts unmöglich gemacht. Dies wiederum hätte die Kommunalaufsicht auf den Plan gerufen.

Doch: "Ich habe selten ein Projekt gesehen, um das so gerungen wurde", stellte Bürgermeister Rainhard Zug fest. "Aus Sicht der Verwaltung darf es nicht durch die jetzt noch fehlenden 28 000 Euro gefährdet werden." Deshalb tüftelte sein Team einen Kunstgriff aus: Zuerst haben sich die Konditionen für das Kommunaldarlehen in Höhe von 200 000 Euro über die Stadt verbessert. Durch die günstige Zinsentwicklung werden die Zinsen bei zwei Prozent bleiben. Außerdem muss der TSV erst 2018 mit der Rückzahlung beginnen. Zusätzlich wurde der städtische Zuschuss auf ebenfalls 200 000 Euro festgeschrieben. Für die Lücke von 28 000 Euro will die Stadt Glinde jeweils 14 000 Euro aus den jährlichen Zuschüssen für den Erbpachtvertrag vorstrecken.

Dem konnten auch Kultur- wie Finanzausschuss (bei einer Gegenstimme) folgen. Der TSV-Vorstand war allerdings nicht vollends begeistert: Einige Mitglieder hatten durchaus erwartet, dass Glinde den Zuschuss vollständig übernimmt. Lehmann beschwichtigte: "Wir sind sehr zufrieden mit dieser Lösung. Man muss auch die finanzielle Lage der Stadt im Blick behalten."

Die Fußballabteilung sammelt weiter Spenden: Für 30 Euro können Unterstützer weiter Kunstrasen-Patenschaften übernehmen. Außerdem wollen die Kicker Hallenmeisterschaften ausrichten und laden am heutigen Sonnabend zur Zumba-Party ins Bürgerhaus (15-17 Uhr).

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