Glinde

Schadstoffsuche in der Kita-Küche

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Susanne Tamm

Zwergenwache: Hautreizungen und Atemwegserkrankungen

Die Eltern der Kinder aus der Zwergenwache sind besorgt und beunruhigt: Die voll ausgestattete Küche der Kita wird momentan nicht genutzt. Bislang erwärmten die Mitarbeiterinnen der Küche dort tiefgekühlte Speisen. Doch bei ihnen waren Hautreizungen und Atemwegserkrankungen aufgetreten.

Seit November werden die 124 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren mittags von einem Caterer versorgt, die Essen werden nun warm angeliefert. Mütter und Väter wurden am Abend zuvor in einem Brief über den Versorgungswechsel und die Gründe dafür informiert. "Selbstverständlich werden wir weiter nach schädlichen Einflüssen im Küchenbetrieb suchen und dabei fachkundige Hilfe in Anspruch nehmen", heißt es in dem Schreiben der Kita-Leitung weiter. Damit waren die Ängste der Eltern jedoch nicht ausgeräumt.

"Wir hatten zuerst den Verdacht, dass das Reinigungsmittel des Geschirrspülers die Ursache war", berichtet Peter Küpper, Fachbereichsleiter soziale Dienste der Johanniter-Unfall-Hilfe, Träger der Einrichtung. "In dem Fall wären nur unsere Küchenmitarbeiterinnen betroffen gewesen." Das Mittel wurde ausgetauscht, die Beschwerden blieben. Daraufhin ließ sich der Träger beraten und beschloss, sämtliche Reiniger der Kita auszuwechseln. Doch auch dies führte nicht zum gewünschten Erfolg.

Daraufhin zog Peter Küpper die Reißleine, fuhr den Küchenbetrieb herunter, wechselte zum Caterer und schaltete eine Fachkraft für Arbeitssicherheit, den Betriebsarzt, die Berufsgenossenschaft, die Heimaufsicht, das Veterinäramt Stormarn als Lebensmittelaufsicht und das Gesundheitsamt Stormarn ein. "Ich habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen", sagt Küpper. "Selbstverständlich galt unsere erste Frage immer den Kindern. Alle Fachleute haben uns aber versichert, dass sie nicht gefährdet sind."

Das schätzt auch Dr. Rainer Keller so ein: "Die Luft entweicht weder bei ein- noch ausgeschalteter Lüftung von der Küche in die Aufenthaltsräume der Kinder." Der Sachverständige ist aktuell mit den Messungen beauftragt, um die Luft auf Schadstoffe, Keime oder Schimmelpilzsporen zu untersuchen. Dreimal war er bereits im Haus, für Dienstag ist die letzte Probe angesetzt. In einem Gerät, dem "Luftkeimsammler" werden die Schadstoffe aus der Luft auf einem Nährboden abgeschieden. Diese Proben werden in Brotschränken gezüchtet, und sie können nach zehn Tagen im Vergleich zur gleichzeitig gemessenen Außenluft bewertet werden.

Solange ist die Ursache für die Erkrankungen nach wie vor nicht geklärt. Ihm ist ein derartiger Fall in einer Kita in seinen 30 Berufsjahren noch nicht untergekommen. "Wenn es in Schulen zu ähnlichen Symptomen gekommen ist, führte meist das Bodenpflegemittel zu den Beeinträchtigungen. Das war hier aber bereits von der Kita ausgewechselt worden", berichtet der Experte. Doch er ist sicher, dass er den Auslöser finden wird.

Darauf hofft auch die Elternratsvorsitzende Birte Dorka: "Uns geht es natürlich um die Gesundheit unserer Kinder. Wir wünschen uns eine vorbehaltlose Aufklärung und die bestmögliche Verpflegung." Peter Küpper wünscht sich indes von den Eltern mehr Vertrauen in seine Maßnahmen. Der erste Schritt ist getan: Sie wollen jetzt in einer gemeinsam formulierten E-Mail die Eltern über die Untersuchung informieren.

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