Glinde

Bis auf zwei sind alle Afrikaner weg

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Undine Brandt

Lampedusa-Flüchtlinge: Von elf ist die Mehrheit zurück in Italien - zwei Schicksale sind ungewiss

Von den einst elf Lampedusa-Flüchtlingen, die seit Mai vergangenen Jahres Hilfe und Unterschlupf in Glinde gefunden haben, sind jetzt nur noch zwei in der Stadt. "Die Mehrheit wurde nach Italien zurückgeschickt, wenige sind möglicherweise in die Illegalität untergetaucht, zwei warten auf einen Bescheid", weiß Verena Tunn. Die 47-jährige Reinbekerin kümmert sich seit Monaten ehrenamtlich um die gestrandeten Afrikaner, organisiert Kleidung und Geld, übersetzt Behördenbriefe, hört zu und macht Mut. Als Dank für ihre Hilfe nennen die Männer sie "Mama Afrika".

In der vergangenen Woche musste sich "Mama Afrika" wieder von einem ihrer Schützlinge verabschieden - wahrscheinlich für immer. "Innerhalb eines Tages musste er sich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Neumünster melden, um einen Tag später nach Italien auszureisen", sagt sie. Das Geld für die Fahrkarte hat Tunn erst einmal aus ihrer Tasche bezahlt.

"Es ist eine Schande, wie wir mit den Flüchtlingen umgehen. Warum können diese anständigen Menschen nicht bleiben, warum gönnen wir ihnen nicht ein bisschen Glück? In Italien erwartet sie nichts als Arbeits- und Perspektivlosigkeit."

Auch für die letzten beiden Afrikaner hat Tunn wenig Hoffnung. Der eine soll sich nun auch in Neumünster vorstellen, wo ein Asylverfahren eröffnet werden soll, der zweite, Zoiber Abobaker, wartet jeden Tag unruhig auf Post, die sein Schicksal besiegelt.

Doch so schnell will Burkhard Peters nicht aufgeben. Der Rechtsanwalt aus Hornbek vertritt die Flüchtlinge: "Wir kämpfen weiter um den Status der Duldung, besser noch für eine befristete Aufenthaltserlaubnis", so Peters.

Damit würde für Zoiber Abobaker ein Traum in Erfüllung gehen. Der 40-Jährige aus Niger hat in Glinde ein neues Zuhause gefunden, möchte hier Arbeit finden, seine Frau und seine vier Kinder zu sich holen und mit ihnen in Frieden leben. Dann könnte er ihnen die vielen Menschen vorstellen, die ihm geholfen haben - vom Bündnis gegen Rechts, von der Moschee und seine "Mama Afrika".

Wer Abobaker treffen möchte, kann dies am Sonntag beim interkulturellen Frühstück, 11 bis 13 Uhr, in der Islamischen Gemeinde Glinde, Tannenweg 5. Da wird auch der Kurzfilm über seinen Weg "Von Afrika nach Glinde" gezeigt.

Finanziell unterstützt werden können die Flüchtlinge über das Konto der Islamischen Gemeinde bei der Haspa (Konto 13 98 12 92 60, BLZ 200 50 550, Stichwort Afrikanische Flüchtlinge).

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