Zukunftssicherung

Ein Unternehmer hat gut lachen

Glinde. Das Thema Unternehmensnachfolge ist in Deutschland drängend, das spiegelt sich auch in der Statistik. So haben laut Bonner Institut für Mittelstandsforschung die Inhaber von etwa 250 000 deutschen familiengeführten Unternehmen das Rentenalter erreicht.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers haben 70 000 Familienunternehmen Nachwuchsprobleme. 30 000 müssen ihren Betrieb sogar gänzlich einstellen.

Vier Jahre quälten Bernd Hengst die gleichen Sorgen. So lange sucht der heute 67-jährige Glinder einen Nachfolger für sein Unternehmen Kahi ecotec. Den Zulieferbetrieb für Ketten in allen Formen, Längen und Materialien gibt es seit mittlerweile 30 Jahren im Gewerbegebiet Reinbek/Glinde. Seit 21 Jahren ist Bernd Hengst Firmeninhaber. "Ein hochrentables Unternehmen, das ich nicht an irgendwen verkaufen wollte", sagt der studierte Maschinenbauingenieur und Wirtschaftswissenschaftler. Interessenten gab es einige, doch die wenigsten konnten den geforderten Preis zahlen - und was noch viel wichtiger ist - kamen aus der Branche.

Doch Hengst war es wichtig, dass seine Firma in gute Hände gerät, die die Zukunft des Unternehmens sichern. Die sechs Mitarbeiter sollten auf jeden Fall ihren Arbeitsplatz behalten, der Firmensitz beibehalten werden. Denn der Unternehmer wollte nur die Firma, nicht aber das Gebäude samt dem 1000 Quadratmeter großen Lager verkaufen.

"Diese Ungewissheit hat mir die eine oder andere schlaflose Nacht beschert. Zumal fast mein gesamtes Kapital in der Firma steckt, ich die alleinige Haftung übernommen habe", sagt Hengst. Als auch seine drei Töchter samt Schwiegersöhnen eine Übernahme des Unternehmens ablehnten, "habe ich kurzzeitig überlegt, die Firma aus Altersgründen komplett zu schließen." In diesem Fall verlieren die Mitarbeiter nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern haben auch keinen Anspruch auf eine Abfindung.

Doch soweit kam es glücklicherweise nicht: Vor einigen Wochen hat ihn die Mölndals Industrieprodukte aus Schweden angesprochen. Beide Firmen unterhielten vor Jahren bereits Geschäftskontakte, der Glinder lieferte Ketten beispielsweise für die Automobilproduktion nach Schweden. "Mein Interessent ist in Skandinavien mit einem Jahresumsatz von 36 Millionen Euro die Nummer eins in der Branche. Jetzt will er den deutschen Markt für seine Produkte erschließen." Und das wird er in Zukunft von Reinbek aus machen - der Verkauf ist abgeschlossen. Hengst wird den Schweden bei der Expansion helfen. Für die nächsten drei Jahre bleibt er Geschäftsführer. Erst danach, mit 70 Jahren, wird er sich zur Ruhe setzen. Auch bei der Suche nach einem neuen Geschäftsführer will er die neuen Inhaber unterstützen.

"Ich bin erleichtert, wie gut alles gelaufen ist und dass der Käufer aus der Branche kommt." Besonders freut ihn, dass der Firmenname bestehen bleibt und alle Mitarbeiter übernommen werden. Der Neue hat mit Kahi ecotec Großes vor: Er plant, die Firma auszubauen und eine Produktionslinie in Reinbek zu etablieren. Dafür will er dann neues Personal einstellen.