Modeshop

Thor Steinar bleibt - der Protest auch

Glinde. Den Gegnern des rechten Modeshops, die tägliche Mahnwachen halten, steht ein weiterer Winter vor dem umstrittenen Geschäft bevor: Das Landgericht Lübeck hat gestern die Räumungsklage des Vermieters gegen das Geschäft "Tønsberg" abgewiesen.

Schon am Nachmittag gab es die ersten Reaktionen auf das Urteil: Mitglieder der Bürgerinitiative gegen Rechts bezogen vor dem Laden am Glinder Berg Position, um zu zeigen, dass sie nicht aufgeben. "Wir hatten gehofft, es könnte wenigstens einen Kompromiss geben. Wir machen auf jeden Fall weiter", sagt Johannes Ratzek, Sprecher der Bürgerinitiative. Überrascht habe ihn das Ergebnis allerdings nicht. Denn eine mögliche Täuschung lasse sich eben schwer nachweisen.

Vermieter Jürgen Herbst hatte im März die Räumungsklage eingereicht, weil er sich arglistig getäuscht fühlte. Er hatte den Mietvertrag unterschrieben, ohne zu wissen, dass sich hinter dem Textil-Einzelhandel ein Geschäft verbirgt, das die unter Rechtsextremen beliebte Marke Thor Steinar verkauft, wie er sagte. Es sei lediglich die Rede von Outdoor-Kleidung gewesen. In den Vertragsentwürfen sei nirgends ein Hinweis auf die umstrittene Modemarke aufgetaucht. Erst nachdem er den Vertrag unterzeichnet hatte, sei er auf den Namen der Marke gestoßen. Der Vertragsentwurf allerdings soll verschwunden sein.

Gegen die Entscheidung des Gerichts kann binnen eines Monats Berufung beantragt werden. "Wir können das Urteil erst einmal nur enttäuscht zur Kenntnis nehmen", sagt Christian Verstege. Der Anwalt des Klägers wird jetzt die schriftliche Begründung abwarten, um dann mit seinem Mandanten zu prüfen, ob er gegen die Entscheidung vor dem Oberlandesgericht in Berufung geht. Mit der Zustellung der schriftlichen Begründung des Urteils rechnet Verstege für Montag.

Auch auf Seiten der Politik stößt das Urteil auf Unverständnis. "Ich hätte eigentlich gedacht, dass das Gericht aufgrund der bundesweiten Entwicklung in Sachen Neonazis anders entscheidet", sagt Rolf Budde (CDU). "Wir lassen uns aber nicht einschüchtern und werden weiter protestieren. Es ist aber die Frage, ob man den Protest weiter in dieser Stärke laufen lassen kann. Ich fürchte, dass die Präsenz nach und nach nachlassen wird. Denn der Mietvertrag läuft insgesamt über fünf Jahre, eine lange Zeit." Grünen-Fraktionsvorsitzender Wolf Tank will weiterhin zweimal wöchentlich protestieren: "Ich würde mir sehr wünschen, dass die Mahnwachen weitergehen."

Auch Frank Lauterbach (SPD) meint, dass der Protest jetzt auf jeden Fall weitergehen muss. "Wenn er nachlässt, ist das für die Rechten ein doppelter Erfolg."

Ob es weiterhin tägliche Mahnwachen geben wird und wie sie aussehen könnten, wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative in der nächsten Woche beraten. "Vielleicht motiviert das heutige Ergebnis viele Glinder, wieder einmal zur Mahnwache zu kommen", hofft Ratzek.