Fernwärme

Biomassekraftwerk: Wärme für 2000 Neu-Glinder

Glinde. Mehr als 700 Wohneinheiten auf dem ehemaligen Depotgelände werden durch das Biomasseheizkraftwerk versorgt. Deren Bewohner sowie Interessierte können am nächsten Sonnabend einen Blick in die Anlage an der Kaposvár-Spange werfen.

Dass nach fast fünf Jahren alle Ausbaustufen der Anlage fertiggestellt sind, ist für den Energieversorger Dalkia Anlass, zum Tag der offenen Tür einzuladen.

Die Besucher erfahren zwischen 11 und 16 Uhr, was genau im Innern des Heizwerkes passiert. Durch die Kombination von einem Biomethan-Blockheizkraftwerk und einem Holzpelletkessel wird Glindes neues Quartier umweltfreundlich mit Wärme versorgt. „Nach Möglichkeit nutzen wir Biogas und Holzpellets“, sagt Dalkia-Mitarbeiter Stefan Harders. „Zur Sicherheit gibt es noch zwei Kessel für Heizöl, wenn die Winter besonders kalt sind.“

Das Heizkraftwerk ist gemeinsam mit dem Wohngebiet gewachsen: Ende 2008 wurden die ersten Rohre gelegt. Ein Jahr später, als die ersten Wohnhäuser standen, war die provisorische Wärmeversorgung für die ersten Wärmekunden fertig: Ein 10?000-Liter-Tank mit Öl-Kessel auf dem Parkplatz. Das Heizhaus neben der Kita wurde 2010 fertiggestellt. Darin ging das Biomethan-Blockheizkraftwerk in Betrieb, das Wärme und Strom erzeugt. Jetzt kam der riesige Behälter hinzu, der 80 Kubikmeter Holzpellets fasst.

Dieser wird in den nächsten Wochen von regionalen Lieferanten wieder bis oben hin gefüllt, damit die Haushalte mit Heizwärme versorgt werden können. „Im Winter müssen wir bis zu vier Mal pro Monat nachfüllen“, so Harders.

Lediglich von den Lieferungen bekommen die Anwohner etwas mit. Das Heizkraftwerk ist gedämmt, von dem Motor des Blockheizkraftwerkes ist draußen kaum etwas zu hören.

Das Biomasseheizkraftwerk versorgt 90 Prozent der Häuser im Neubaugebiet „Alte Wache“. Das sind etwa 200 Anschlüsse und entspricht den Erwartungen des Energieversorgers. Etwas Potenzial zum Erweitern gibt es noch: „Im Neubaugebiet könnte das Heizwerk bis zu 230 Anschlüsse versorgen“, sagt Harders.

Das Biomasseheizkraftwerk für Glindes neuen Stadtteil war mit der Kombination aus Biomethan-Blockheizkraftwerk und Holzpelletkessel für Dalkia das erste Projekt seiner Art. Die Erfahrungen, die die Ingenieure in Glinde gesammelt haben, nahmen sie unter anderem mit in die Hafencity Ost und nach Billstedt. Auf die Probleme, die es anfangs in Glinde mit dem Ausbau der Wärmeversorgung gab, sind sie jetzt vorbereitet. „Die ersten Kunden kamen später als erwartet“, erinnert sich Harders. Doch dass das Gebiet so schnell bebaut wurde, hat ihn überrascht. „Danach ging es umso schneller, weil so schnell gebaut wurde. Viele Kunden wollten gleichzeitig an Netz.“ Einige mussten warten, weil in dem kalten Winter keine Hausanschlüsse gelegt werden konnten.

Das Heizwerk in Zahlen

Die Energieversorgung im Neubaugebiet „An der Alten Wache“ besteht zu 90 Prozent aus erneuerbaren Energien wie Holzpellets und Biogas. Die restlichen zehn Prozent werden durch Heizöl sichergestellt. Der erzeugte Strom, der in das öffentliche Netz eingespeist wird, deckt den Strombedarf von 700 bis 800 Wohneinheiten. Im Winter werden bei Volllast pro Tag 3500 Kilogramm Holzpellets verbraucht.