Jakobsweg

Unterwegs mit sich selbst

Oststeinbek (unb). Sich aufs Wesentliche beschränken, ist in den kommenden fünf Wochen das Motto von Anja Danielczyk.

In dieser Zeit wird die 47-jährige Oststeinbekerin 750 Kilometer auf dem Jakobsweg pilgern. Sie startet mit leichtem Gepäck in Pamplona im Norden Spaniens und will am 10. Oktober mit freiem Kopf und vielen neuen Eindrücken das Ziel Santiago de Compostela erreichen. Rund sechs Kilogramm wiegt ihr Rucksack mit Schlafsack, zwei T-Shirts, einem Wollpulli, einer Regenhose und -jacke. Das wichtigste Utensil: Blasenpflaster.

Damit sie die rund 30 Kilometer langen Tagesetappen bewältigen kann, pilgert sie auf Fehmarns Deichen Probe. Die neuen Wanderschuhe sind eingelaufen, die Muskeln gestärkt. Das Programm für die erste Woche steht: "Ich will nichts anderes machen als gehen, essen, schlafen - und schweigen." Das Handy schaltet sie nur am Abend ein, um ihrem Liebsten ein Lebenszeichen zu senden.

Danielczyk hat vor allem ein Ziel: ihren stressigen Berufsalltag als Coach hinter sich zu lassen und es genießen, dass sie allein über ihren Tag und ihre Zeit bestimmen kann. "Anhalten, wo und wann es mir gefällt, sitzen, Leute beobachten." Auch wenn sie sich auf die Pilgerreise gut vorbereitet hat, "ein mulmiges Gefühl bleibt. Schließlich weiß ich nicht, wohin es mich verschlägt, in welcher Herberge ich die Nächte verbringe, auf welche Leute ich treffe." Um sich sicherer zu fühlen, hat sie ein Pfefferspray eingesteckt und für die Muse ein E-Book-Reader, auf dem Romane und Fachbücher gespeichert sind. Das spart viel Gewicht.

Wie ein Großteil der Pilger (siehe Kasten rechts) pilgert auch Danielczyk nicht aus rein religiösen Gründen durch Spanien. Sie will sich "häuten, austesten und anfangen, mich mit mir selbst zu unterhalten". In Stress soll die Reise nicht ausarten. "Wenn meine Füße eine Pause brauchen, dann gönne ich sie ihnen - wenn es sein muss, auch eine Massage."