Einkochen

So fruchtig und süß schmeckt Kindheit

Oststeinbek (unb). Sommerzeit ist Einmachzeit. Zumindest war das früher der Fall.

Die Oststeinbekerin Bärbel Spangenberg kann sich noch genau daran erinnern, wie sie als Kind im Sommer Kirschen, Pflaumen, Stachel- und Johannisbeeren pflücken musste. "Wenn wir aus der Schule kamen, mussten wir erst im Garten helfen, bevor wir an den Badesee durften", sagt die 68-Jährige.

Im dem rund 800 Quadratmeter großen Garten der Familie an der Möllner Landstraße wuchsen zahlreiche Bäume, in Beeten wurden Spargel, Bohnen, Mohrrüben und Erbsen angebaut. "Wir waren Selbstversorger und mussten über den Winter kommen", sagt Spangenberg. Gehungert aber haben sie und ihre Schwester nie, dafür habe ihre Mutter, Elfriede Grünitz, schon gesorgt. Am Ende des Winters gab es immer noch ein paar volle Einweckgläser im Keller.

Bis Anfang der 80er-Jahre habe ihre Mutter aus dem Garten gelebt und Obst und Gemüse eingemacht. "Nur als mein Vater starb, hatte sie plötzlich keine Lust mehr."

Als dann 1991 auch die Mutter starb und das Haus ausgeräumt werden musste, fanden Bärbel Spangenberg und ihr Mann Rolf noch ein paar volle Gläser im Keller. "Sie einfach wegschmeißen, das konnte ich nicht", sagt Bärbel Spangenberg.

Ein Birnenglas aus dem Jahr 1980 hat sie dem Havighorster-Oststeinbeker-Geschichtskreis vermacht. Es steht in dem neuen Archiv des Vereins im Keller der Turnhalle der Helmut-Landt-Grundschule.

Ein jeweils 32 Jahre altes Kirsch- und Pflaumenglas haben Spangenbergs in ihrem Keller. "Jedes Mal, wenn mein Blick darauf fällt, muss ich an meine liebe Mutter denken." Die habe am liebsten übrigens Stachelbeeren eingemacht. Die wurden für die berühmte "Grünitzer Stachelbeertorte" gebraucht, die stets zu besonderen Anlässen auf den Tisch kam. Diese Tradition haben Bärbel Spangenberg und ihre Schwester bis heute beibehalten. "Wenn unsere Mutter Geburtstag hat, kann ich sicher sein, dass meine Schwester eine Stachelbeertorte gebacken hat und auf unseren Besuch wartet."

Der 800 Quadratmeter große Garten samt dem Wohnhaus existiert heute noch und wird von Bärbel Spangenbergs Nichte bewohnt. Doch statt Obst und Gemüse wachsen dort heute Blumen.