Gerichtsprozess

Ohne Führerschein erwischt - 1200 Euro Geldstrafe

Glinde (gr). Gleich zweimal innerhalb von drei Monaten wurde Selim O. ohne Führerschein am Steuer seines Mercedes erwischt.

Das erste Mal war der 33-jährige Bosnier ausgerechnet zur Glinder Polizeiwache gefahren, um dort seiner Meldepflicht nachzukommen. Beim zweiten Mal fuhr er sein Auto nur ein paar Meter weiter, weil es einem Umzugswagen im Wege stand. Der Führerschein war ihm im Februar 2011 auf dem Verwaltungsweg entzogen worden, er hatte in Flensburg die "Schallmauer" von 18 Punkten durchbrochen. Jetzt musste er sich vor dem Amtsgericht Reinbek verantworten.

Für beide Fahrten hatten Selim O. und sein Anwalt Entschuldigungen parat: Nach dem Entzug der Fahrerlaubnis sei er immer von seiner Ehefrau gefahren worden. Die aber habe sich um den kranken zweijährigen Sohn kümmern müssen. "Deshalb bin ich selbst zur Polizei gefahren, um den Termin für die Meldung nicht zu versäumen", so der Angeklagte. Beim zweiten Mal sei er ja nur ein paar Meter gefahren, "ich weiß aber, dass ich auch das nicht durfte", gab er zu.

Nun müsse man "das Beste aus der Sache machen", sagte der Verteidiger dazu. Darunter verstand er in erster Linie den Verzicht auf eine Sperrfrist für die Erteilung eines neuen Führerscheins. "Als Inhaber einer Reinigungsfirma musste mein Mandant nach dem Verlust der Fahrerlaubnis schwere wirtschaftliche Einbußen hinnehmen, weil er viele Kunden nicht mehr oder nur unter großen Schwierigkeiten persönlich aufsuchen konnte", sagte der Anwalt. Für einen neuen Führerschein müsse Selim O. die medizinisch-psychologische Untersuchung ("Idiotentest") erfolgreich bestehen, er habe sich schon zu einem entsprechenden Kursus angemeldet. Mit einer Führerschein-Sperrfrist werde das Verfahren aber um ein ganzes Jahr nach hinten verlagert. "Das könnte das endgültige Aus für die Firma meines Mandanten bedeuten."

Die Richterin ließ mit sich reden, Selim O. blieb von einer Sperrfrist verschont. Auch sonst kam er mit einem blauen Auge davon: 40 Tagessätze Geldstrafe zu je 30 Euro. Er darf die 1200 Euro in zwölf Monatsraten abstottern.