Verfassungsschützer

Der Dresscode der rechten Szene

Glinde/Schwerin. Seit neun Monaten demonstrieren Glinder fast täglich vor dem Geschäft Tønsberg. Denn die angebotene Kleidung der Marke Thor Steinar hat den Ruf, unter Rechtsextremen beliebt zu sein.

Ob das der Fall ist, hat Redakteurin Undine Brandt einen Verfassungsschützer (Name der Redaktion bekannt) aus dem Innenministerium in Mecklenburg-Vorpommern gefragt. Im benachbarten Bundesland gibt es seit etwa drei Jahren zwei Bekleidungsgeschäfte, die die Marke vertreiben: in Schwerin und Rostock.

Haben Sie Hinweise darauf, dass Thor Steinar in der rechten Szene beliebt ist?

Ich muss vorweg sagen, dass der Verkauf von Kleidung im Sinne des Gesetzes keine politische Aktivität ist und insoweit auch nicht beobachtet wird. Beobachtet wird die rechtsextremistische Szene an sich. Da können wir sagen, dass Teilnehmer rechter Aufmärsche öfter Kleidung dieser Marke tragen. Sie hat also eindeutig eine identitätsstiftende Funktion.

Es gibt also einen Dresscode in der Szene. Wie sieht der genau aus?

Wir unterscheiden vier verschiedene Gruppen. Zur ersten Gruppe gehören unverfängliche Kleidungsstücke, wie beispielsweise Zimmermannshosen und Karohemden, die von Neonazis auf Demonstrationen getragen werden, um ihre angebliche Nähe zum Volk zu dokumentieren.

Zur zweiten Gruppe gehören Markenartikel, die aufgrund ihrer Symbolik oder der verwendeten Schriftzüge für Rechtsextremisten interessant sind, wie etwa "Lonsdale", in dem die Buchstaben "NSDA" enthalten sind. Diese Firma hat sich öffentlich von rassistischem Gedankengut distanziert.

Die dritte Gruppe bilden Kleidungsstücke, die die rechtsextremistische Szene unmittelbar ansprechen sollen. Hierzu gehört die Marke "Consdaple", die die Buchstabenkombination "NSDAP" aufweist, aber eben auch Thor Steinar. Diese Marke findet sich im einschlägigen Internet-Versandhandel. Diese Kleidungsstücke sind durch eindeutig rechtsextremistische und zum Teil gewaltverherrlichende Aussagen geprägt. Da der Kreis der Konsumenten über die rechtsextremistischen Subkulturen hinausgeht, muss vor all zu schnellen Zuordnungen gewarnt werden. Nicht jeder Träger von Thor Steinar oder Lonsdale-Kleidung hat eine rechtsextremistische Einstellung. Dies gilt allemal für Zunfthosen und Karohemden. Träger von Kleidung der vierten Kategorie - mit Runen und andere Nazi-Symbolen - legen es darauf an, dem rechtsextremistischen Lager zugerechnet zu werden.

In Glinde liegt das Thor-Steinar-Geschäft außerhalb des Zentrums. Passanten kommen hier eher nicht zufällig vorbei. Wer hier einkauft, muss es also genau kennen. Ist das Strategie?

Das ist möglich. Während das Schweriner Geschäft in der Innenstadt liegt, ist das Rostocker etwas abseitig. Möglicherweise versuchen sich die Ladenbetreiber so auch vor Übergriffen zu schützen. Diese Geschäfte leben in der Regel nicht von Laufkundschaft. Dennoch gilt auch für Hersteller von Kleidung mit einer ideologischen Aussage, dass sie wirtschaftlich erfolgreich sein wollen.

Davon kann man auch bei Thor Steinar ausgehen. Denn die Marke setzt auf hochwertige Materialien und ein hochpreisiges, ausgefeiltes Sortiment. Letztendlich wissen wir es aber nicht. Was wir wissen, ist, dass der Eigentümerin, die Mediatex GmbH, nicht gefällt, was wir über die Marke sagen. Wir haben die Inhaber aufgefordert, sich von dem Image zu lösen. Das aber hat die Mediatex GmbH bis heute nicht getan.

Sind die Negativschlagzeilen möglicherweise auch Teil der Geschäftsidee, nach dem Moto: Schlechte Werbung ist auch Werbung?

Das ist gut möglich.

Seit das Geschäft in Glinde eröffnet wurde, treibt seine Gegner die Angst um, dass es ein Treffpunkt für Rechtsextreme wird.

Das deckt sich nicht mit unseren Erkenntnissen. In Mecklenburg-Vorpommern sind die beiden Ladengeschäfte keine erkennbaren Stützpunkte der rechtsextremistischen Szene.