Gleichstellungsbeauftragte

Frauenquote soll kommen - Sie geht

Glinde. Mobbing am Arbeitsplatz, Hilfe beim Wiedereinstieg in den Beruf nach der Babypause oder Gewalt in der Partnerschaft: "Das Thema Gleichstellung ist ein weites Feld", sagt Claudia Riegler. Seit zwölf Jahren ist sie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, im August geht sie in den Vorruhestand.

Um die Neubesetzung der Stelle kommt die Stadt nicht herum. Laut Gesetz ist jede Kommune mit 15 000 Einwohnern verpflichtet, eine hauptamtliche Mitarbeiterin einzustellen. Was nicht vorgegeben ist, ist die Stundenanzahl, sagt Bürgermeister Rainhard Zug. Die können die Kommunen selbst festlegen. 25 Stunden pro Woche hat sich Riegler um die Belange von Frauen gekümmert, hat Beratungsgespräche zum Thema Elterngeld geführt und hat Informationsbörsen sowie Runde Tische für Senioren organisiert. "Als Gleichstellungsbeauftragte muss man eigentlich ständig präsent sein, um Netzwerke und Vertrauen aufzubauen", sagt die 60-Jährige. Dafür reichen die 25 Wochenstunden im Grunde nicht aus. Und die will die Stadt nun weiter reduzieren um fünf Stunden auf insgesamt 20 Stunden pro Woche. "Der Aufgabenumfang rechtfertigt die Reduzierung, zumal die Gleichstellungsbeauftragte nicht weisungsgebunden ist", sagt Rathaus-Chef Zug. Er erhofft sich für den angespannten Haushalt Personalkosteneinsparungen von rund 15 000 Euro jährlich.

Doch da spielt die Politik nicht mit: "Ich sehe nicht, wo plötzlich Aufgaben weggefallen sein sollten", sagt Werner Braun (SPD). Seine Fraktion und Bündnis 90/Grüne plädieren dafür, die 25 Stunden pro Woche beizubehalten. Laut Riegler ist das der richtige Weg, denn ihre Arbeit lässt sich nicht in Akten messen. "Gleichstellung ist zwar das Ziel, nur der Weg dorthin ist noch lang." Denn nach wie vor verdienen Frauen etwa 23 Prozent weniger als Männer. Seit Beginn der Statistik in 2006 ist laut Statistischem Bundesamt die Lücke nicht kleiner geworden. "Die Lohnschere zwischen den Geschlechtern geht besonders bei den Über-30-Jährigen auseinander", weiß Riegler. Dann nämlich, wenn die Frauen Kinder bekommen und die Betreuung übernehmen müssen. Ein Ausweg aus diesem Dilemma sind laut Riegler, selbst Mutter zweier Kinder, flexiblere Arbeitszeitmodelle. Dass die sich am Ende auszahlen, zeigt auch eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young bei den 300 größten börsennotierten Unternehmen Europas: Sie vergleicht die Jahre 2005 und 2010 und kommt zu dem Schluss, dass - zumindest rein statistisch gesehen - Frauen an der Unternehmensspitze ein eindeutiger Erfolgsgarant sind. Deshalb plädiert Riegler auch für eine Frauenquote. Zumindest solange, bis Gleichstellung Normalität geworden ist. "Das ist dann der Fall, wenn niemand mehr beim Thema Frauenrechte die Nase rümpft."