Osterfeuer

Feuerwehrmann in zwei Wehren

Foto: Annett Habermann / Habermann

Glinde. Wenn es sein muss, erstickt Hans-Joachim Pell auch mal eine Schlägerei im Keim. Aber eigentlich ist er Sonnabendabend dafür zuständig, das Osterfeuer im Zaum zu halten. Er hält Sicherheitswache – ebenso wie bei den vergangenen 25 Osterfeuern, die die Freiwillige Feuerwehr organisiert hat.

Hans-Joachim Pell hält Wasser bereit und passt auf, dass niemand zu nah an die Flammen kommt. Insgesamt sind etwa 50 Feuerwehrleute am Kupfermühlenteich im Einsatz, sperren ab und sorgen für Essen und Trinken.

Arbeiten am Ostersamstag ist für Pell selbstverständlich. „Ostern wird nicht groß weggefahren“, sagt er. Kann sein, dass er sich auf sein Motorrad schwingt, wie er es an freien Tagen gern tut. „Aber lange Touren mache ich nicht, sondern ich bleibe in der Region.“ Den Pieper hat der 46-jährige Glinder unter der Motorradkluft dabei, um im Fall der Fälle schnell einsatzbereit zu sein. Pell ist Feuerwehrmann mit Leidenschaft, und das in gleich zwei Wehren: in der Freiwilligen in Glinde, in der er vor 34 Jahren die Jugendfeuerwehr mitbegründet hat, und in der Werkfeuerwehr bei Honeywell als Wehrführer.

Bei dem Bremsbeläge-Hersteller ist er einer von 1080 Mitarbeitern und als Werkschutzleiter tätig. Alle 24 Kameraden der Werkfeuerwehr sind Honeywell-Mitarbeiter – Entwickler, Werkzeugmacher oder Vorarbeiter. Pro Jahr rücken sie im Durchschnitt 15 bis 20 Mal auf dem 22 Hektar großen Werksgelände aus, löschen brennende Mülleimer und pumpen nach Starkregen oder Rohrbrüchen das Wasser von Wegen oder aus Hallen ab. Größere Einsätze bleiben ein Betriebsgeheimnis, sagt der Wehrführer.

Wegen des Gefahrenpotenzials durch die Bebauung und die Materialien wurde vor 40 Jahren die Werkfeuerwehr gegründet, seit 15 Jahren ist Pell deren Wehrführer. Außer ihm sind sieben weitere Kameraden auch in der Freiwilligen Feuerwehr Glinde. Übungsdienst steht für sie also jeweils zwei Mal auf dem Plan, alle 14 Tage.

Einsätze fahren die Feuerwehrleute auch außerhalb des Werksgeländes, etwa wenn die Freiwillige Feuerwehr Hilfe braucht – zuletzt bei dem Geruchsalarm in der Tiefgarage des Mühlencenters, als die Kameraden von Honeywell mit einem großen Entlüftungsgerät anrückten oder als es bei auf einem anliegenden Betriebsgelände brannte. Zur Ausstattung gehören außerdem zwei Löschfahrzeuge und ein Anhänger mit Pulverlöschmittel sowie 1000 Liter Schaummittel.

Nachwuchssorgen gibt es bei der Werkfeuerwehr bisher nicht, sagt Pell. „Aber wir versuchen natürlich, jüngeres Personal dazuzuholen. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 40 Jahren.“ Auch die Freiwillige Feuerwehr ist gut aufgestellt. Heute Abend mit etwa 50 Kameraden. Um 18 Uhr entzünden sie am Kupfermühlenweg das Osterfeuer.

Pell bleibt so lange, bis die Paletten heruntergebrannt sind, die die Kameraden über Monate gesammelt haben. „Das Holz ist nicht behandelt und es bleibt auch nicht so viel übrig, wie bei Ästen.“ Wie lange er am Osterfeuer Wache halten wird, weiß er vorher nie. „Das kann auch bis vier Uhr früh dauern.“