Honorarreform

Ärzte: Nur Dienst nach Vorschrift

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Dörte Hoffmann und Susanne Tamm

Glinde. Jetzt ist der Ärzteprotest auch in Glinde angekommen: Gestern Nachmittag blieb die Praxis des Allgemeinmediziners Dr. Johannes Imdahl am Haferberg geschlossen.

Auch diesen Mittwochvormittag wird er nicht für seine Patienten zur Verfügung stehen. Wer krank ist, muss damit rechnen, dass er vor verschlossenen Praxistüren steht. Denn die niedergelassenen Ärzte der Umgebung machen jetzt nur noch Dienst nach Vorschrift. Damit wehren sie sich gegen die staatlich verordnete Bezahlung ihrer Arbeit. Die sogenannten Regelleistungen für Kassenpatienten, zu denen Beratungen, Untersuchungen, Blutabnahme, Spritzen, Bestrahlungen, EKG und Hausbesuche gehören, werden zum Beispiel bei Hausärzten nur noch mit knapp 38 Euro pro Quartal honoriert. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Patienten nur einmal oder zehnmal die Praxis aufsuchen und wie lange die Behandlung dauert. "Das ist eindeutig zu wenig", befindet Imdahl.

Seine Patienten haben dafür offenbar Verständnis: "Die Ärzte sollten nach ihren Leistungen bezahlt werden und nicht nach einem bestimmten Budget", sagte Hedwig Reiser (69) aus Oststeinbek, die sich gestern ein Rezept abholte. Sie fürchtet, dass immer mehr Praxen schließen werden, sodass sie zukünftig lange auf einen Termin warten muss. Auch Jörn Grogoll nahm gestern seinen Arzt in Schutz: "Mir ist unverständlich, was der Staat mit meinen Krankenkassenbeiträgen macht", erklärte der 66-jährige Glinder. "Seit meinem 16. Lebensjahr habe ich eingezahlt und im Laufe der Jahre wurden die Beiträge immer höher. Jetzt, wo ich alt bin und vielleicht öfter einen Arzt brauche, gibt es Probleme."

Unterstützung bekommen die Mediziner auch von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein: "Die Honorarreform ist gescheitert", sagte ihr Sprecher Marco Dethlefsen gestern. Wenn Patienten für Kassenleistungen bezahlen müssten, sei das nicht legitim. Dienst nach Vorschrift hingegen sei o.k.: Vorgeschrieben sei eine Öffnungszeit von mindestens 20 Stunden pro Woche. Die Politik müsse merken, dass das System an seine Grenzen stoße und der Leistungskatalog neu überdacht werden müsse. Die Basisversorgung müsse aber für Rentner und Arbeitslose erhalten bleiben.

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