Stiftung Lesen

Evelyn liest jeden Tag ein Pferdebuch

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Glinde (ilk). Mehr Besucher, mehr Journalisten, mehr Hauptaussteller: Der Erfolg der gerade zu Ende gegangenen Leipziger Buchmesse hat gezeigt, dass die Leidenschaft vieler Deutscher für Bücher auch im Krisenjahr 2009 ungebrochen ist.

Auf der anderen Seite schlägt die Stiftung Lesen Alarm: Jeder vierte Bundesbürger liest niemals ein Buch. Wie sieht es in Glinde aus? Ein Ortstermin in der "Bücherkate" an der Dorfstraße 2.

Evelyn Burmeister ist zwar erst acht Jahre alt, im Lesen aber schon eine ganz Große. Mutter Valentina erinnert sich: "Früher musste ich ihr immer vorlesen, seit sie zur Schule geht, kann sie das selbst." Evelyn liest fast täglich, nachdem sie ihre Hausaufgaben erledigt hat. "Am liebsten mag ich Pferdebücher, zum Beispiel das bunte Buch "Kein Pony ist so süß wie Pünktchen", sagt die Schülerin und greift zielsicher in das Kinderbuchregal.

In der Bücherkate kennt sich auch Rosemarie Gärtner bestens aus. Während andere abends zur Fernbedienung greifen, schnappt sie sich ein Buch. Die 80-Jährige liest regelmäßig abends anstatt fernzusehen. Am meisten interessieren sie Bücher mit esoterischem Inhalt. Außerdem liest sie häufig einer Freundin vor, die nicht mehr gut sehen kann. "Das Vorlesen ist manchmal anstrengend, aber so können wir uns hinterher über den Inhalt austauschen. Wir haben also beide etwas davon", betont Gärtner. Zuletzt haben die beiden Damen "Der Vorleser" von Bernhard Schlink gelesen, jetzt ist "Eine Zierde in ihrem Hause" von Asta Scheib an der Reihe. Darin geht es um die Geschichte der Ottilie von Faber-Castell.

Der 43-jährige Thomas Becker liest "immer, was mich gerade thematisch interessiert". Aktuell stehen Musikerbiographien bei dem Ingenieur an erster Stelle. Nachdem der Glinder "Ronnie" vom legendären Rolling Stones-Gitarristen Ronald Wood beendet hat, will er sich an den "Chronicles" von Bob Dylan versuchen. Von "E-Books", also Büchern, die auf einem Computerbildschirm oder einem speziellen "E-Reader" gelesen werden, hält er nichts: "Ich möchte etwas im Buch markieren, es ins Regal zurückstellen können, um es später Freunden zu zeigen." Rita Frey freut sich über Kunden, denen kein Buch zu dick ist. Die Mitinhaberin der "Bücherkate" sieht eine positive Lese-Entwicklung, vor allem bei den jungen Lesern. "Seit dem Erfolg von 'Harry Potter' gibt es eine viel stärkere Markenbildung in der Kinder- und Jugendliteratur", sagt sie. "Cornelia Funke mit ihrer 'Tintenwelt' und Stephenie Meyer mit ihren Vampirromanen sind ebenso erfolgreich wie zuvor nur Joanne K. Rowling." Die Kinder fragen gezielt nach dem nächsten Teil der jeweiligen Reihe, wollen mitreden. Die Zukunft des Buchs ist für Rita Frey gesichert. Motto: E-Book, nein danke. "Wir haben hauptsächlich Stammkunden, die es bevorzugen, echte Buchseiten umblättern zu können. "

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