Schule

Ernst wird es jetzt ab der elften Klasse

Glinde. Ein halbes Jahr ist seit der Einführung von G8 und der Profiloberstufe am Gymnasium Glinde vergangen. Mit Sorge hatte man der Bildungsreform entgegengesehen. Dieselbe Arbeit in kürzerer Zeit - Ist das überhaupt zu schaffen?

Das hatten sich Eltern, Schüler und auch die Lehrer gefragt. Das Kollegium des Gymnasiums hat jetzt seine erste Bilanz gezogen. G8 haben die Schüler gut weggesteckt, aber in der Profiloberstufe haben die Teenager Arbeitszeiten wie im Berufsleben.

"Die Schüler klagen über die starke Belastung", berichtet Oberstufenleiter Thomas Wilken. Die jetzigen Elftklässler gehören mit zu den ersten in Schleswig-Holstein, die wieder im Klassenverband unterrichtet werden. Der ergibt sich aus dem Profil. Dabei besteht beim Gymnasium Glinde die Wahl zwischen dem sprachlichen, naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Profil. Dazu kommen die Kernfächer Deutsch, Mathe und eine Fremdsprache sowie weitere Pflichtfächer. Allein der Stundenplan der Elftklässler umfasse 34 Wochenstunden, mit den Hausaufgaben kämen die Jugendlichen auf die normale Arbeitswoche eines Arbeitnehmers - und das bis zum Abi. "Dabei hat man früher immer gesagt, so viele Stunden seien Blödsinn", sagt Wilken. Die Schüler seien dann nicht mehr aufnahmefähig.

Sie stehen außerdem unter einem größeren Leistungsdruck. Denn alle Fächer zählen jetzt gleichviel, egal in welchem Fach ein Schüler schlechter als ausreichend steht, ist seine Versetzung gefährdet. Die Schüler bestimmen zwar selbst ihr Profil, haben jedoch kaum noch die Möglichkeit, ungeliebte Fächer abzuwählen. Und die Abiturprüfung besteht neuerdings aus fünf, nicht mehr nur aus vier Prüfungen.

Ganz anders die Bilanz zum achtstufigen Gymnasium (G8): "Dort sind wir sehr positiv überrascht, wie gut es läuft", sagt Orientierungsstufenleiter Carsten Gröhn. Die vier fünften Klassen dieses Schuljahres sind unter den ersten, die mit demselben Stoff ein Jahr früher durch sein müssen. Das bedeutet, Geschichte ab Klasse fünf, anstatt wie bisher von Klasse sechs an. Auch Physik und Chemie rutschen von Klasse sieben und acht ein Jahr nach vorne. Mit Französisch wird nun bereits in der Sechsten begonnen. Die Schüler haben vermehrt Doppelstunden und einen langen Tag über acht Stunden mit einem Mittagessen in der Mensa. Nicht ohne für gerade einmal elf Jahre alte Kinder, mag man meinen. Aber Orientierungsstufenleiter Gröhn sagt: "Die Schüler wirken nicht mehr belastet als andere Jahrgänge zuvor." Es soll sich obendrein um einen besonders guten handeln. Gröhn: "Wir hatten noch nie so viele positive Zeugniseintragungen. Die Schüler haben G8 von Anfang an sehr ernst genommen."