Sozialpolitik

CDU entdeckt die Kinderarmut

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Jörg Ahrent

Glinde. Einberufen worden war die Sondersitzung der Stadtvertretung ursprünglich nur, um den Satzungsbeschluss für das Bauvorhaben Alter Sportplatz zu fassen. Doch auf Antrag der CDU-Fraktion fanden auch die Nutzung der Stabsgebäude auf dem Depotgelände (wir berichteten) und die Einrichtung eines selbst verwalteten Jugendzentrums den Weg auf die Tagesordnung.

"Neue Aspekte" führte CDU-Fraktionschef Dr. Ralf Reck als Grund dafür an, den Prüfauftrag des Sozialausschusses an die Verwaltung für ein selbst verwaltetes Jugendzentrum zurückzunehmen. Dahinter verbarg sich ein Gespräch mit dem Geschäftsführer des Stormarner Kinderschutzbundes, Ingo Loeding. Das habe offenbart, dass in Glinde über 400 Kinder auf Hartz IV angewiesen seien. "Diese erschreckenden Zahlen sind völlig neu für uns." Der Kinderschutzbund sehe eklatanten Handlungsbedarf, wolle deshalb nach Glinde kommen. Daher müssten andere Prioritäten gesetzt - sprich: der Prüfauftrag für das Jugendzentrum zurückgenommen werden - und die Verwaltung sich auf die Suche nach einem Standort für die Betreuung der Hartz IV-Kinder machen.

Dies sorgte für Empörung bei den anderen Parteien. Die genannten Zahlen seien überhaupt nicht neu, so Susanne Böhnert-Tank. Tatsächlich hatte die Bergedorfer Zeitung schon im September vergangenen Jahres darüber berichtet. Die Situation werde auf dem Workshop zur Jugendarbeit an diesem Wochenende bereits eine Rolle spielen. "Wenn sie mehr wollen, stellen sie einen Antrag im Sozialausschuss." In Bezug auf das Jugendzentrum machte die Grünen-Politikerin bei der CDU "eine Glaubensfrage" aus. "Sie sollten stolz sein, dass es Jugendliche gibt, die sich engagieren wollen", so Böhnert-Tank. Parteikollege Jan Schwartz: "Es geht nicht darum, in dieser Stadt die Macht abzugeben, sondern Kindern und Jugendlichen Gestaltungsspielräume zu eröffnen. "

Ins gleiche Horn stieß Frank Lauterbach (SPD). "Auch uns ist die Zahl der Hartz-IV-Kinder lange bekannt." Niemand habe etwas gegen den Kinderschutzbund und seine Arbeit. "Aber sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Lassen sie doch die Verwaltung erst einmal prüfen, ob und wo ein autonomes Jugendzentrum möglich ist."

Letztlich fand der CDU-Antrag, die Stadtvertretung möge sich gegen ein selbst verwaltetes Jugendzentrum aussprechen und den Prüfantrag zurücknehmen, keine Mehrheit. Hingegen erkannte die Stadtvertretung einen Handlungsbedarf durch die auf Hartz IV angewiesenen Kinder und bat den Sozialausschuss, sich auf einer der nächsten Sitzungen mit dem Thema zu befassen - unter Einbeziehung des Kinderschutzbundes. Ebenso wurde beschlossen, dass die Verwaltung sich vorrangig mit der Sicherstellung der Jugendarbeit in der Spinosa beschäftigen, gleichzeitig nach Proberäumen für Glinder Bands suchen soll.

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