Mühlengespräche

Myanmar: Reise in eine Militärdiktatur

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Glinde (hs). Das asiatische Land Myanmar ist besser bekannt unter dem Namen Burma. Es wird von einer Militärdiktatur beherrscht, friedliche Demonstrationen buddhistischer Mönche werden brutal zerschlagen, ausländische Hilfsgüter von der Regierung beschlagnahmt. Soll man solch ein Land bereisen?

Prof. Hans-Rudolf Bork befand: ja. Denn durch Kontakt mit der Bevölkerung könnten Touristen ein Zeichen setzen.

Um den südostasiatischen Vielvölkerstaat ging es am Dienstagabend bei den Mühlengesprächen der Volkshochschule und der Schleswig-Holsteinischen Universitäts-Gesellschaft Kiel/Sektion Glinde. Bork von der Uni Kiel lieferte in der Mühle einen spannenden Reisebericht unter dem Titel "Goldene Pagoden - unbekannte Völker". Er eröffnete mit seinem Vortrag die Reihe "Regionen der Erde".

Bork nannte viele ganz unterschiedliche Gründe, warum Myanmar eine Reise wert ist: Wer hätte gedacht, dass in einem einzigen Land 135 verschiedene Ethnien nebeneinander existieren? Und dass diese Menschen trotz der herrschenden Armut einen Großteil ihrer geringen Einnahmen an die Tempel spenden? Neben Lebensmittelopfern schenkten die Gläubigen dünne Goldplättchen, die sie auf riesige Buddhastatuen auflegen. Solch ein Buddha kann daher in einem halben Jahrhundert 60 Tonnen an Gewicht zulegen, erklärte Bork. Der Professor gab außerdem eine Einführung in geografische und ökologische Gegebenheiten, beschrieb mit eindrucksvollen Bildern burmesisches Kunsthandwerk wie die Lackmalerei und erklärte, wie die Menschen auf den "schwimmenden Gärten" des Inle-Sees Gemüse anbauen. Er machte auf die intensive Abholzung der Tropenwälder aufmerksam, die ständige Überwachung von Touristen durch den Geheimdienst und die immer stärker werdende wirtschaftliche und politische Macht der Chinesen in Myanmar.

Viele Mühlenbesucher musste Bork gar nicht mehr von einer Reise nach Myanmar überzeugen. Eine 15-köpfige Gruppe aus Witzhave nutzte den Termin, um sich über medizinische Versorgung und gesellschaftliche Regeln zu informieren. Sie werden sich im September ein eigenes Bild von dem Land machen.

Die Mühlengespräche gehen am 3. Februar weiter. Dann will Prof. Hartmut Roweck die Frage beantworten: "Waren die Steinzeitmenschen glücklicher?"

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