Migranten

Ein großer Schritt zum Ziel

Glinde. "Ich lebe hier in Deutschland, deshalb möchte ich auch die Sprache sprechen", sagt Natalya Chilinski (36) aus Kasachstan.

Und Abdedaenn El Hassnaovi (38) aus Marokko erklärt: "Ich möchte mit Menschen arbeiten, aber nicht, dass sie über meine Sprachfehler lachen." Chilinski und El Hassnaovi sind ihren Zielen jetzt einen gewaltigen Schritt näher gekommen: Sie sind zwei von 18 Absolventen eines Deutsch-Kurses für Migranten der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein an der Humboldtstraße.

Mit Teilnehmern aus dem Irak, Kambodscha, Afghanistan, Thailand und der Republik Kongo büffelten sie sechs Monate lang täglich fünf Stunden Deutsch. Rund 40 Migranten absolvieren jährlich den Sprachkursus an der Akademie, die eine Bildungseinrichtung der Industrie- und Handelskammer ist. Der Kursus wird bei Empfängern von ALG II von der Agentur für Arbeit finanziert, andere Teilnehmer zahlen monatlich 100 Euro. "Die Arbeit war hart, hat aber auch viel Spaß gemacht", sagt Abdedaenn El Hassnaovi, der seit 2004 in Barsbüttel wohnt.

Erste Sprachkenntnisse in Deutsch erlangte er schon in seiner Heimatstadt Mibladen, wo er als Fremdenführer Geologen aus ganz Europa zu Mineralienvorkommen führte. Mineralien waren es auch, die ihn 2002 nach Deutschland brachten. Auf der Hamburger Mineralien-Messe lernte er seine heutige Ehefrau kennen. Nach der Übersiedlung machte er zunächst seinen Führerschein. "Mit nur ein paar Brocken Deutsch war das gar nicht so einfach", erinnert er sich. Arbeit fand er auf einem Reiterhof in Willinghusen, dann bei einem Möbelgeschäft. Während des Deutsch-Kurses vermittelte ihm ein Freund eine Teilzeit-Stelle als Kellner. "Jetzt wünsche ich mir nur noch einen Vollzeitjob", sagt der Marokkaner und strahlt vor Freude über sein Zertifikat.

Natalya Chilinski kam 2002 mit ihrem Ehemann und zwei Kindern nach Glinde. " Die Großmutter meines Mannes war Deutsche und hatte sich immer gewünscht, dass wir zu ihr ziehen", erzählt sie. In ihrer Heimat Kasachstan hatte die 36-Jährige eine Ausbildung zur Diplom-Kauffrau absolviert, die ist in Deutschland jedoch nicht anerkannt. "Ich will hier den Beruf der Bürokauffrau erlernen, dafür brauche ich gute Sprachkenntnisse" , sagt sie. Die werden ihr jetzt mit dem Zertifikat attestiert. Ihr nächstes Ziel will sie auch auf der Akademie erreichen. Auf den Deutsch-Kursus sollen nun eine Umschulung zur Einzelhandelskauffrau und die Weiterbildung zur Bürokauffrau folgen.

"Ich möchte mit Menschen arbeiten, aber nicht, dass sie über meine Sprachfehler lachen." Abdedaenn El Hassnaovi