Theatermacher

Jetzt sind sie vor den Kulissen

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Sandra Barth

Oststeinbek. Ihre Familien haben Knut Schakinnis und seinen Mitarbeiter Erik Voß sesshaft gemacht. Die kontinuierliche Arbeit in der Theaterleitung ist verträglicher mit dem Familienleben als das Nomadendasein darstellender Künstler.

In "Typisch Mann" sind Knut Schakinnis und Erik Voß Konkurrenten, im wahren Leben arbeiten sie im Team.

Im Herzen sind Theatermacher Schakinnis und der Leiter des Theaters Oststeinbek, Erik Voß, aber Schauspieler. Am 20. Februar stehen sie bei der Premiere von "Typisch Mann" erstmals gemeinsam auf der Bühne des Schauspielhauses an der Möllner Landstraße 22.

Der 53-jährige Schakinnis ist der Chef von mittlerweile vier Spielstätten in Bremen, Kassel, Lübeck und seit einem halben Jahr auch in Oststeinbek. Der Mann vor Ort im Theater Oststeinbek ist Erik Voß. Der 41-Jährige leitet zum ersten Mal ein Schauspielhaus. In den vergangenen 15 Jahren arbeitete er als Schauspieler, hatte Engagements in Schleswig, Detmold, Köln, Karlsruhe und Kassel. Seine Schauspielausbildung bekam er im Bühnenstudio der Darstellenden Künste in Hamburg. Da hatte er aber schon etwas ganz anderes gelernt, war staatlich geprüfter Landwirt. "Das war mal eine Idee, um vielleicht in die Entwicklungshilfe zu gehen", erklärt Voß, der sich dann doch lieber dem künstlerischen Bereich zuwandte. Um etwas für sich selbst zu tun, wie der gebürtige Ahrensburger sagt. Als Schauspieler sei man nie fertig, stelle sich immer neuen Herausforderungen - eigentlich wie auch jetzt hinter den Kulissen als Theaterleiter. Aber es gibt noch andere Gründe für seine berufliche Neuausrichtung. Voß ist zweifacher Vater, lebt mit seiner Frau Nicole Harms und den Kindern Sinah (5) und Nikolai (2) in Ahrensburg. "Als Schauspieler ist man immer in einer anderen Stadt. Wenn man so viele Jahre unterwegs war, ist man froh, einen festen Sitz zu haben." Seinen heutigen Chef lernte er bei einer gemeinsamen Produktion kennen.

Mit Schakinnis entscheidet er in Oststeinbek nun, welche Stücke gespielt werden. Voss entwirft Spielpläne, koordiniert Proben, führt Verhandlungen über die Höhe der Gagen und lernt so die andere Seite des Theatermachens kennen. "Es ist spannend zu sehen, wie Entscheidungen zustande kommen", berichtet er. Dass die Planung meist keine Spontanität zulasse und so beispielsweise erfolgreiche Stücke meist nicht verlängert werden können, darüber mache man sich als Schauspieler keine Gedanken.

Auch wenn er nun die Seite gewechselt hat, sein Schauspielerherz schlägt immer noch höher, wenn er die Bühne betritt. Das nächste Mal in der Rolle des Architekturstudenten Markus. Im Stück "Typisch Mann oder was hat er, was ich nicht habe?" treten er und Schakinnis gemeinsam auf. Aber nicht etwa wie im wahren Leben als Team, sondern als Konkurrenten: In der Ehe von Volker (Knut Schakinnis) und Marie (Martina Flügge, Heidi Jürgens) hat sich die Routine eingeschlichen. Während Volker sich mit Seitensprüngen bei Laune hält, versucht Marie mit Aquarellmalerei etwas Farbe in ihr Leben zu bringen. Bis sie Markus (Erik Voß) trifft, dessen Einfühlungsvermögen und visionäre Ideen sie verzaubern. Doch dann erfährt Volker von der Affäre. Und um den Nebenbuhler loszuwerden, freundet er sich zum Schein mit seinem Rivalen an, gibt sich aber nicht als Maries Mann zu erkennen.

"In 'Typisch Mann' werden wir uns beide als Schauspieler zeigen, damit man uns nicht nur aus dem Foyer kennt", sagt Schakinnis, der wie Voss einst die Seiten wechselte, um seine Töchter Lilli (13) und Greta (6) aufwachsen zu sehen. Sehen will ihn und Erik Voss auch das Oststeinbeker Publikum. Die Premiere von "Typisch Mann" ist schon fast ausverkauft. Restkarten gibt es unter Telefon (040) 413 58 80 20.

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