Haushalt

Erneut Zank um Ortstafeln op Platt

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Susanne Tamm

Foto: Sandra Barth

Glinde. Herrschte im Finanzhaushalt noch Einigkeit, den Haushalt zu verabschieden, wurden in der Stadtvertretung jetzt 6800 Euro für Ortsschilder mit plattdeutscher Übersetzung zum Zankapfel: Bündnis 90/ Die Grünen wollten die für die zweisprachigen Ortstafeln vorgesehene Summe streichen und die bereits gestrichenen 3000 Euro für Entwicklungshilfeprojekte wieder einstellen.

6800 Euro entfachen Diskussion um Haushalt mit realem Defizit von 2,9 Millionen Euro.

"Es mag Gemeinden geben, wo die Zweisprachigkeit Sinn macht, aber in Glinde kann ich das nicht nachvollziehen", begründete Wolf Tank den Antrag. Die plattdeutschen Ortstafeln seien aufgesetzt.

Der Einsatz Glindes für die niederdeutsche Sprache fand Lob in ganz Schleswig-Holstein: Spätestens seit 2007 ist die "junge Stadt im Grünen" Vorreiter in Sachen zweisprachige Ortsschilder, Landespolitiker gratulierten zu der Idee und viele Kommunen in Schleswig-Holstein, darunter Schwarzenbek, griffen sie auf - allein die Glinder setzten sie bisher nicht um. Bis auf einen Prototyp am Eingang des Neubaugebietes Olande, der von Sponsoren finanziert wurde, stehen in der Stadt nur hochdeutsche Ortstafeln. Denn kaum war die Anregung geboren, wurde sie vom Bauauschuss mit den Stimmen der Grünen und denen der FuGS (Fraktion unabhängiger Glinder Stadtvertreter) schon wieder begraben.

Doch auch bei der SPD und bei der CDU war die Zweisprachigkeit umstritten. Bernd Wersel (SPD) beantragte jetzt für seine Fraktion, die Position mit einem Sperrvermerk zu versehen, um sie bei einem Nachtragshaushalt wieder zu ändern. Bernd Hengst (CDU) erteilte den Grünen eine klare Absage: " Wir wollen das Ding nicht wieder neu aufdröseln." Bürgermeister Uwe Rehders gab zu bedenken, dass fünf der 16 Schilder ohnehin neu aufgestellt werden müssen. Sie würden die Stadt allein 2300 Euro kosten. Daraufhin besannen sich die Sozialdemokraten nach einer kurzen Unterbrechung und stimmten schließlich gemeinsam mit der CDU gegen die Streichung der Ortstafeln.

Der Verwaltungshaushalt wurde schließlich einstimmig, der Vermögenshaushalt gegen die Stimmen der SPD verabschiedet. Die war mit der Investition von 2,1 Mio. Euro für den Marktplatz unglücklich, da der Vermögenshaushalt mit einem realen Defizit von 2,9 Mio. Euro nur mit dem Griff in die Rücklage ausgeglichen werden konnte. Einnahmen und Ausgaben betragen 4,5 Mio. Euro, das ist nur die Hälfte dessen, was die Stadt 2008 investieren konnte. Der Verwaltungshaushalt sieht Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 25,8 Mio. Euro vor. Die vorgesehene Zuführung zum Vermögenshaushalt über 712 000 Euro (fünf Prozent der bereinigten Ausgaben) konnte nicht realisiert werden.

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