Lesung

Monica Bleibtreu und Dietmar Mues lesen - Oststeinbek lauscht

| Lesedauer: 2 Minuten
Ilka Schröter

Oststeinbek. Die szenische Lesung aus "Die Würde des Lügens" sorgte am Wochenende für volle Stuhlreihen im Rathaussaal.

Monica Bleibtreu und Dietmar Mues liehen den beiden Protagonisten des Romans von Joachim Zelter bei der Lesung des Kulturrings ebenso wie bei der im Bergedorfer Haus im Park ihre Stimmen.

Auf ihren angeheirateten Adelstitel legt die Großmutter (Bleibtreu) in Zelters Werk großen Wert. "Von und zu Witzleben" - diesen tragenden Namen muss auch ihr Enkel (Mues) üben, bis er ihm fehlerfrei über die Lippen geht. Dabei ist der Junge im Kindergartenalter, der bei ihr im großen - und natürlich standesgemäßen - Haus lebt, noch weit entfernt von solchem Dünkel. Doch um die geliebte alte Dame glücklich zu machen, macht ihr Nachkomme sich zu einem besseren Menschen. Er bringt sich "Lesen" bei ("ich nahm mir Spenglers 'Untergang des Abendlandes', zählte zehnmal bis Zehn und blätterte dann die Seite um") und erfindet, "nachdem mein gebrochener Gipsarm beim Essen wie ein schlechtes Zeugnis neben mir auf dem guten Glastisch gelegen hatte, Blinddarmentzündungen, Masern, Hautkrebs und ausfallende Zähne bei den Nachbarskindern, um nicht allein als Schwächling da zu stehen".

Im Jugendalter wird der Kassettenrekorder zum ständigen Begleiter des Jungen, der politische wie gesellschaftliche Ereignisse neu aufnimmt, sodass sie den eigenwilligen Vorstellungen der Großmutter entsprechen. Die Fußball-Nationalmannschaft der BRD gewinnt 1974 doch noch das eigentlich verloren gegangene Spiel gegen den Klassenfeind DDR. Auch das Aktienvermögen "stieg durch unsere Börsennachrichten um mehrere 100 Prozent". Und Helmut Kohl "machte ich bereits zwei Jahre vor seiner offiziellen Amtseinführung zum Bundeskanzler". Trotz des falschen Spiels schließt der Zuhörer den Jungen ins Herz, da sein einziger Beweggrund das Glück der Großmutter und niemals der eigene Vorteil ist. Ob letztere die List durchschaut, bleibt bis zum Ende des Romans offen.

Mues und Bleibtreu gelang es trotz von Erkältung belegter Stimmen, die Zuhörer zu fesseln. Auch Joachim Zelter, der den Erzähler las, sorgte für Schmunzeln. Die rund 200 Besucher belohnten sie mit viel Applaus zwischen den Kapiteln und am Ende der Lesung.

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