Erziehung

Kinder-Kummer im Kasten

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Paula* streitet sich immer wieder mit ihrer besten Freundin und möchte wissen, woran das wohl liegt. Benno* hat einige Dinge im Unterricht nicht verstanden und fragt sich, was denn nächstes Jahr in der fünften Klasse aus ihm werden soll.

. Und Charleen* fühlt sich manchmal so allein, seit ihre Eltern sich getrennt haben. Das sind drei von mehr als 50 Kindern der Helmut-Landt-Grundschule, die in den letzten Wochen einen Sorgenzettel in den kleinen gelben Kummerkasten in der Pausenhalle geworfen haben.

Der Kasten ist die Idee der stellvertretenden Hort-Leiterin Inga Peters und von Hans-Jürgen Schinowski, Leiter des Jugendzentrums Oststeinbek (JuzO). Hortkinder haben den Kasten im JuzO gebastelt und auch die Zettel entworfen, auf denen die Kinder ihren Namen, ihr Problem und den Wunschtermin für eine Beratung eintragen können: montags oder freitags zwischen 11 und 11.20 Uhr.

Seit Oktober vergangenen Jahres gibt es den Kummerkasten, Woche für Woche landen mehrere Sorgenzettel darin. Eine Beratung gibt es dann zum angekreuzten Termin mit Peters oder Schinowski. "Schulischer Leistungsdruck, Versagensängste, Probleme in der Familie oder mit Freunden sind die häufigsten Sorgen, mit denen die Kinder zu uns kommen", sagt Inga Peters. Manche fühlten sich zu Hause vernachlässigt, andere in der Klasse isoliert. Nicht für jedes Problem finden die Erzieherin und der Sozialpädagoge eine Lösung, aber die Kinder kämen ihr näher, indem sie sich die Sache von der Seele redeten. Manchmal kann Inga Peters aber auch mit konkreten Fragen Ursachen ergründen oder mit Lösungsvorschlägen weiterhelfen: "Ich habe auch schon bei zwei zerstrittenen Freunden den Konfliktlotsen gespielt, indem ich den anderen dazu geholt habe", berichtet sie.

Es sind kaum Hortkinder, die von dem Kummerkasten Gebrauch machen, sondern fast ausnahmslos Dritt- und Viertklässler, die nicht in den Hort gehen. Peters' Erklärung: "Im Hort bieten wir schon seit langer Zeit eine wöchentliche Konfliktrunde an, in der die Kinder über ihre Sorgen sprechen können." Mit der großen Resonanz aus den dritten und vierten Schulklassen kommen die Initiatoren auch einem zweiten Ziel näher, das sie sich mit dem Kummerkasten gesteckt haben: "Wir möchten die Grundschule, den Hort und das Jugendzentrum enger als bisher miteinander vernetzen, damit die Kinder schon früh ihre Berührungsangst vor dem JuzO verlieren." Ein Ferienprogramm und gelegentliche Koch- und Bastelstunden bieten die beiden Einrichtungen bereits gemeinsam an.

*Name von der Redaktion geändert

( (tv) )

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